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Um das faszinierende Karibikparadies der British Virgin Islands voll auszukosten, macht es Sinn, im Idealfall mehr als eine Insel anzusteuern. Wer die Reise nicht sowieso mit einem Segelboot macht, kann auch mit dem Wassertaxi zwischen den Eilanden wechseln. Während einer Woche haben wir gleich sechs davon kennengelernt: Nach Cooper Island, Virgin Gorda und Anegada geht es für uns nach Tortola, Jost van Dyk und Norman Island.

Hier wird uns klar: Neben absoluter Entspannung wird auf den Karibikinseln auch Nightlife und Spaß groß geschrieben. Kein Wunder – mit der Aussicht auf türkisblaues Meer und weißem Sand unter den Füßen schmeckt der Cocktail gleich doppelt so gut. Hier kommen unsere Hotspots.

Die Cane Garden Bay auf Tortola

In der Cane Garden Bay auf Tortola wurde früher Zuckerrohr angebaut. Heute gibt es von den einst über 20 Rumbrennereien nur noch wenige. Die älteste davon ist die Callwood Distillery. Hier wird seit 400 Jahren Rum gebrannt, der Stoff, aus dem die Träume gemacht sind auf den British Virgin Islands. Der Kessel, in dem destilliert wird, ist immer noch derselbe wie vor kaum vorstellbaren 400 Jahren. Der Rum ist fantastisch mild und geschmackvoll.

Nur wenige Kilometer eine holprige Straße entlang entfernt von dort liegt die Smuggler’s Cove, ein traumhafter, einsamer, verlassener Strand. Bis vor einigen Jahren stand hier ein Kühlschrank, bis oben hin gefüllt mit kaltem Heineken. Jeder konnte sich bedienen, lediglich 2 Dollar musste man in einem kleinen Korb zurücklassen. Heute gibt es eine kleine Bar, nicht viel mehr als ein gespannter Sonnenschutz, ein Tresen und der noch immer gleiche Kühlschrank. Kein Ort hier ist schlechter als der andere, aber die Smuggler’s Cove ist mir der liebste Platz der ganzen Reise.

The Party Side of Paradise

In Sebastian’s On The Beach bekommen wir eine erste Idee von einer anderen Facette der British Virgin Islands, denn hier kann man nicht nur Segeln, Surfen und unter Palmen in der Sonne liegen. Eine liebevoll aus alten Brettern zusammengezimmerte Strandbar reiht sich hier an die nächste. Es ist Nebensaison, daher ist es ziemlich ruhig. In der Hauptsaison zwischen Weihnachten und Ostern gibt es hier kein Halten mehr, erzählt man uns. Die Hotels sind ausgebucht und die meist amerikanischen Touristen kommen zum Feiern auf die British Virgin Islands.

Der Cocktail der Karibik – Soggy Dollar’s Painkiller

Unser Abenteuer beginnt auf Jost van Dyk in der ‚Soggy Dollar Bar‘. Die kommt zu ihrem Namen, weil hier die Besucher von den Booten zur Bar schwimmen und die nassen Dollarscheine dann an einer Wäscheleine zum Trocknen aufgehangen werden. Seit den 1970er Jahren hat man in der Soggy Dollar Bar den wahrscheinlich bekanntesten Drink der Karibik perfektioniert: den Painkiller. Und der fügt sich tatsächlich perfekt in die Kulisse aus Palmen, dem türkisenen Meer und der Leichtigkeit von Sommer und Karibikfeeling. Orangen- und Ananassaft, Kokosnusscrème und Pusser’s Rum werden im perfekten Verhältnis gemischt und mit frisch geriebener Muskatnuss garniert. Die Aromen harmonieren fantastisch, und besser als hier kann der Painkiller wohl nicht schmecken. Auf den British Virgin Islands darf er unter seinem Namen übrigens nur verkauft werden, wenn tatsächlich der Original Pusser’s Rum verwendet wird.

Damit wir für euch zuhause auch ein wenig Karibikfeeling möglich machen können, haben wir das Rezept mitgebracht, selbst gemixt schmeckt er beinahe so gut wie in der White Bay. So geht’s:

  • 2-4 Teile Pusser’s Rum
  • 4 Teile Ananassaft
  • 1 Teil Kokosnusscrème
  • 1 Teil Orangensaft
  • Frisch geriebene Muskatnuss

Ihr mischt einfach den Rum, Ananassaft, Kokosnusscrème und Orangesaft in einem Shaker mit grob zerschlagenem Eis, füllt das Ganze in ein Cocktailglas und gebt dann frisch geriebene Muskatnuss darüber.

Nightlife unter Palmen – Foxy’s Freak Show & Willy T

Am Abend ankern wir in Great Harbour und besuchen das Foxy’s, eine andere legendäre Bar auf den British Virgin Islands, von der viele Geschichten erzählen. Unter der Decke des aus Holz gebauten Hauses und der Terrasse hängen vergessene Shirts, Schilder, Wimpel von den Segelbooten & Caps. Aus den Lautsprechern tönt die Musik des DJ, eine Mischung aus Reggae, Hip Hop und Pop. Nirgends tanzt es sicher besser, als barfuß im Sand. Die Stimmung ist ausgelassen, obwohl das Foxy’s an diesem Abend in der Nebensaison nicht einmal halbvoll ist. Aber das stört niemanden. An Neujahr kostet der Eintritt 400 Dollar. Ich sehe die Partys in den Zeiten der Hauptsaison vor mir, wenn es hier brechend voll wird: Ungezähmt und lebensbejahend sind sie, leicht, zuweilen wild und euphorisch. Chaotisch. Fragmentiert.

Und doch gibt es – natürlich – auch eine dunkle Seite der Nacht: Jedes Jahr ertrinken einige Touristen. Der Alkohol und das Meer sind eine gefährliche Mischung. Aber im Paradies will daran niemand denken.

Am letzten Abend der Reise gehen wir an Deck des Willy T vor Norman Island, ein alter Frachter, der zu einer schwimmenden Bar umgebaut ist. Vom oberen Deck aus springen schon am Mittag junge Touristinnen ohne Bikini-Top ins Wasser. Vor einigen Jahren haben die Betreiber hier jedem, der nackt ins Wasser sprang, ein T-Shirt der Bar geschenkt. Das war zwar wenig nachhaltig für das Geschäft, weil es schlichtweg zu teuer wurde für die Bar, hat aber gereicht, einen Mythos zu begründen.

Als die anderen schon wieder zurück auf unser Boot gegangen sind, bleibe ich noch eine Weile an der Bar sitzen und bestelle einen letzten Painkiller. Vielleicht einen Painkiller zu viel. Denn auch das gehört zum echten Karibikfeeling: Wenn am nächsten Morgen der ohnehin schon schwankende Schiffsboden noch mehr wankt und die Hitze die Erinnerung an den Vorabend schmerzlich spürbar macht.

Was bleibt? Sehnsuchtsziel British Virgin Islands

Ich will keine Stunde der vergangenen sieben Tage missen und bin mir ziemlich sicher, dass die Inseln mitunter das schönste Reiseziel sind, das ich bisher besucht habe. Dabei sollte man auf jeden Fall lieber ein paar Monate länger sparen und dann einen Katamaran chartern, als hier mit dem Kreuzfahrtschiff vor Anker zu gehen. Nur so kann man wirklich die vielen kleinen Inseln, Buchten und Bars anfahren und das Meer in seiner ganzen Schönheit erleben.

In den letzten Stunden auf dem Wasser, auf dem Rückweg in die Marina von Tortola – über uns schweben und kreischen die Möwen – stehe ich an Deck und mit einem Male in Berlin, stehe inmitten der Zugabe des Tocotronic-Konzerts im Astra Kulturhaus im letzten Jahr, und bin doch ganz hier angekommen, als die letzten verzerrten Gitarren übergehen in Ingrid Cavens ‚Die Größen weißen Vögel‘ und ich mich an eine Zeile des Liedes erinnere:

Weit draußen auf dem blauen Meer
klingt ein Lied von Wiederkehr,
ein Lied vom Leben.

Ich werde alles daran setzen, noch einmal hierher zu kommen.


Wir danken dem BVI Tourist Board für die Einladung und Organisation der Reise.

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