Hier in Deutschland sind wir in vielen Bereichen Vorreiter aber in vielen eben auch nicht. Von der Last des Atomstroms haben wir uns zwar gelöst, aber vorausschauend geplant wurde der Ausstieg nicht. Denn es geht nicht nur um die saubere Stromerzeugung, sondern auch wie wir in Zukunft mit Strom umgehen, wie wir effizient und nachhaltig sind und zwar auch was Mobilität und Wärme betrifft.

Smart City Malmö

Einen kleinen Einblick in eine Smartcity habe ich mit E.ON in Malmö bekommen können. Bei Drinks und Abendessen konnten wir mit dem E.ON SE Vorstandsmitglied Dr.-Ing. Birnbaum über erneuerbare Energien, deren Ausbau und Smart Grids reden. Dabei haben wir auch erfahren, dass Hyllie Vorreiter in Sachen Smartcities ist . Anschließend ging es auf eine kleine Erkundungsreise in das Zentrum vom Malmö. Auf Booten, natürlich mit E-Antrieb, sind wir auf dem Kanal durch die Stadt gefahren. Malmö ist ein schöner Mix aus alten Gebäuden und moderner Architektur, teilweise geht beides ineinander über.

Hyllie – Ein Stadtteil für die Zukunft

Bei unserem schwedischen Nachbarn im Norden gibt es ein tolles Projekt, dass von Anfang an die Aspekte Nachhaltigkeit und Effizienz verfolgt hat. Malmös Stadtteil Hyllie (Hüllje ausgesprochen) wurde erst vor ein paar Jahren aus dem Boden gestampft und das hier nach wie vor noch fleißig gebaut wird, sieht man an den zahlreichen Baustellen. Hier haben sich die drei Projektpartner E.ON, VA SYD – der lokale Versorger für Wasser, Abwasser und Müllentsorgung – und die Stadt Malmö 2011 in einem Klimavertrag hohe Ziele gesetzt:

  • die klimafreundlichste Stadt Schwedens werden
  • bis 2020 ist die Stadtverwaltung Klimaneutral
  • bis 2030 nur erneuerbare Energien für komplette Stadt Malmö
  • pro Person einen 20% geringeren Stromverbrauch bis 2020 und weitere 20% bis 2030

Hyllie ist dabei der Sandkasten in dem fleißig gebaut und getestet wird, die Ergebnisse können anschließend auf die ganze Stadt angewendet werden.

Die Zukunft ist smart

Die Stromnetze müssen smart werden (Smart Grid). Verbraucher und Erzeuger müssen miteinander kommunizieren, sodass zum Beispiel Geräte, mit höherem Stromverbrauch, laufen wenn es gerade einen Überschuss an Strom gibt und dieser besonders günstig ist. Das soll aber nicht heißen, dass man die Waschmaschine nicht einsetzen kann, wenn gerade die Sonne nicht scheint. Der Überschuss wird gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz eingespeist. Hierfür ist aber auch ein dezentrales Netz notwendig. Unsere alten Netze sind so ausgelegt, dass der Strom vom Erzeuger zum Verbraucher kommt und es eben eine klare Rollenverteilung gibt.  Jetzt muss es aber auch möglich sein, dass Strom überall erzeugt und eingespeist werden kann. Ein schönes Beispiel war das Hallenbad in Hyllie, dass wir besucht haben. Das begrünte Dach ist mit einer Photovoltaikanlage bestückt und auch sonst wurden verschiedene Techniken verwendet um das Bad effizient zu betreiben. Ohne uns jetzt im Zahlen-Dschungel zu verirren konnte hier der Energieverbrauch, im Vergleich zu einem herkömmlichen Hallenbad gleicher Größe, um circa die Hälfte gesenkt werden.

Nachhaltigkeit und Effizienz beziehen sich dabei nicht nur auf Sonnenenergie wie in besagtem Hallenbad oder den Windkraftanlagen an der Küste. In Hyllie werden Abfälle und Abwasser zu Elektrizität, Biogas oder Fernwärme verwandelt.

Smart Building

Smart Building ist ebenfalls unabdingbar, denn so grün die Stromerzeugung auch sein mag, wenn die Gebäude nicht effizient sind und die Energie nicht optimal genutzt wird, ist das Vorhaben sinnlos. Die komplette Struktur der Gebäude kann Energie speichern. Den Energiebedarf der eigenen vier Wände kann man über eine App einsehen und auch beeinflussen. So kann man beispielsweise seinem Heim „Bescheid geben“, dass man auf dem Weg nach Hause ist und es wird geheizt. Ist niemand zu Hause, muss auch nicht stark geheizt werden. Durch Anzeige des Bedarfs, der Kosten und den Zugriffsmöglichkeiten schafft die App ein Bewusstsein für den Verbrauch.

Nimm doch das Rad

Ein ganz anderer Ansatz ist die Mobilität, auch hier muss sich viel ändern. Die Bewohner von Hyllie haben Zugriff auf einen Carsharing-Pool und das Fahrrad ist allgemein in Malmö ein bevorzugtes Transportmittel. Eine ausgeprägte Infrastruktur ist dafür vorhanden, die nicht bei Fahrradwegen aufhört. Es gibt Fahrradgaragen in denen man sein Rad abstellen kann, um dann anschließend mit dem Zug weiter zu fahren. Viele neue Häuser besitzen keine Parkplätze mehr für Autos, außer einen gesetzlich vorgeschriebenen Behindertenparkplatz. Auch Hotels ziehen mit und bieten Fahrräder inklusive an, anstatt eines Mietwagens. Malmö ist außerdem in der Top 10 der fahrradfreundlichsten Städte weltweit. Wir waren zwar nicht mit Fahrrädern unterwegs aber mit E-Autos. Und ich muss schon sagen, so ein i3 kommt ziemlich gut vom Fleck weg, auch mit vier erwachsenen Menschen nach dem Mittagessen.

In Deutschland sind wir, was nachhaltige Städte betrifft, noch in den Startlöchern. Erste Projekte, wie das Werksviertel in München werden erst in ein paar Jahren fertiggestellt sein. Gespräche für weitere Projekte gibt es aber in Berlin. Aus dem Erfahrungstopf aus Hyllie kann man dann hier zugreifen.

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