Heute freuen wir uns wieder über einen (Gast-) Beitrag von Lena Reiner auf UBERDING! Und los geht’s:
Ich hoffe, das kriegt niemand in den falschen Hals und alle Menschen, die sich berufen fühlen, hier zu kommentieren, lesen vorher, was “wirklich” in dem Beitrag steht. Das würde ich mir wirklich sehr wünschen – DANKE dafür schonmal.
Ich möchte hier eigentlich nur ein bisschen zum Denken anregen.

Und zwar habe ich mir die Frage gestellt, wie Vegetarier und Veganer Lederprodukte besitzen, kaufen und sogar vermarkten können. (Ich bin so eine Veganerin, die gerade bei der Vermarktung von Lederprodukten mitwirkt und hier auf Arbeit habe ich noch keine Fleischliebhaber getroffen…)
Dabei bin ich auf eine spannende kleine Geschichte gestoßen, die ich euch erzählen möchte:
Es geht dabei um die Menschen in Indien… Bei der Firma, bei der ich aktuell mein Praktikum mache, trudeln wohl haufenweise Briefe und E-Mails ein, ob die Tiere, aus deren Haut das Ökoleder für die Produkte gemacht wird, „a decent life“ gehabt hätten. Die indischen Produzenten hätten sich auf die Frage hin fast kaputtgelacht.
„Rinder müssen bei uns genauso mitarbeiten wie die Menschen“, war die Antwort. Denn sonst würden die ganzen Landwirte verhungern. Traktoren, das ist etwas für den Westen und die großen Betriebe. Zumindest heute noch. Und so müssen eben Rinder vor den Pflug gespannt werden, wie es das bei uns früher auch noch gab. Ganz schön viel früher. Damit die Felder bestellt werden können und die Menschen etwas zu essen haben. Und die Tiere natürlich auch, denn die bekommen so viel Futter, wie eben gerade möglich ist, damit sie die bestmögliche Versorgung erhalten. Ihr wisst ja, in Indien sind Kühe heilig. Und Mensch und Tier arbeiten dort gemeinsam. Klingt irgendwie fast schon romantisch. Meint ihr nicht? In jedem Fall klingt es nach einer ganz anderen Welt, wie wir sie hier kennen.

Aber zurück zu den Rindern: Diese Tiere jedenfalls haben irgendwann ausgedient. Dann kosten sie mehr an Futter, als sie erarbeiten können. Jetzt kommt der Teil, bei dem viele schreien werden, wie man so rational sein kann. Und sich ziemlich über „diese Inder“ aufregen werden. Zumindest kann ich diese Reaktionen schon vor meinem inneren Auge sehen und dem ersten Impuls nach auch verstehen.
Aber weiter mit meiner „Geschichte“: Die Tiere werden geschlachtet, das Fleisch und die Haut verkauft und alles weiterverarbeitet. Einige werden fragen, wieso man den Tieren keinen schönen Lebensabend gönnt als Dank für die Arbeit, die sie geleistet haben. Einige werden immer noch per se gegen Tierhaltung sein und das hier vielleicht gar nicht mehr weiterlesen. Aber ich möchte diese kleine Geschichte dennoch zu Ende erzählen: Die Tiere müssen verkauft werden, damit die Familien genug Geld haben, um sich ein neues Tier heranzuziehen. Verluste können sie sich nicht leisten, denn sonst heißt es Hungern. Und Hungern ist in einem solchen Land nicht mit dem bisschen Magenknurren vergleichbar, das wir hier als Hunger kennen. Das ganze Tier wird verwertet und die Firma, bei der ich hier bin, kauft die Haut ab, um sie zu gerben.
Der komplette Gerbprozess geschieht natürlich und ohne den Einsatz von schwermetallhaltigen Stoffen. So wird die Umwelt nicht belastet und die Haut der Gerber nicht angegriffen. Sie atmen auch kein Gift dabei ein. Damit haben sie schon bessere Voraussetzungen als viele andere Menschen in Indien. Überdies arbeitet das Unternehmen nur mit Fairtradebetrieben zusammen. Den ganzen Zertifizierungsprozess haben sie letztes Jahr und Anfang diesen Jahres durchlaufen und wissen daher, was da so alles getan werden muss. Jeder einzelne Arbeiter muss bezeugen, dass er gut behandelt wird. Sonst gibt es das Siegel nämlich nicht. Zusätzlich werden unabhängige Kontrollen durchgeführt.
Was die Arbeitsbedingungen mit dem Ursprungsthema „vegan“ zu tun haben?
Nun, es gibt sicher unterschiedliche Auffassungen darüber, was „vegan“ bedeutet, aber meiner Meinung nach ist die besonders schöne: Veganismus bedeutet, keinem leidensfähigen Wesen Leiden zuzufügen, soweit dies möglich ist. Und das bezieht dann nicht „nur“ Tiere ein sondern auch Menschen.
Ich finde, die beschriebenen Lederprodukte* sind auch als Veganer vertretbar…weil sie umweltfreundlich und menschenfreundlich hergestellt werden und kein Tier extra für sie leiden muss.
Was meint ihr dazu?

*Die stammen übrigens von goodforall. Infos auf Englisch findet ihr auf deren facebook-Seite: www.facebook.com/fairtradedesign. Schaut doch mal rein!