Wer immer mal wissen wollte, wie es ist ein Star zu sein und wie der Weg dahin beschritten wird, der begibt sich – ganz klar – nach Karlsruhe! Und zwar ins Zentrum für Kunst und Medientechnologie.
Das skandinavische Künstlerduo Michael Elmgreen & Ingar Dragset gehört nicht erst seit der letzten Biennale 2009 in Venedig zu den innovativsten Schöpfern, die mit Skulpturen, Installationen und Performances unterschiedliche Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster hinterfragen sowie die Parameter des Ausstellens von Kunst bis in den letzten Winkel ausreizen.
Meine persönlichen Installationsfavoriten des Duos sind eine nachgebaute Prada-Boutique inmitten der texanischen Wüste und ein optisch aus dem Boden brechendes Wohnwagengespann inmitten einer noblen Mailänder Einkaufsgalerie. Das ZKM Karlsruhe initiiert mit „Elmgreen & Dragset. Celebrity – The One & The Many“ die erste große Einzelausstellung der beiden Künstler in Deutschland. In der Ausstellung „Celebrity“ werden verschiedene Facetten des gesellschaftlich-kulturellen Klimas thematisiert.
Innerhalb dieser Auseinandersetzungen werden eine Reihe miteinander verflochtener Erzählungen inszeniert, die den Besucher die Perspektiven auf soziale, politische und nicht zuletzt auch künstlerische Aspekte lenken will.
Der Besucher ist Voyer und Celebrity zugleich und ist Teil des Gesamtkunstwerkes. In den beiden großen Lichthöfen des ZKMs sind von den beiden Künstlern zwei große Installationen zu besichtigen, die eigens für die Architektur des Museums entwickelt wurden: Mit einem vier Stockwerke hohen Plattenbau werden äußerst bescheidene Wohnunterkünfte präsentiert. Betretbar ist der Bau leider nicht, der Besucher muss von außen in die zahlreichen Räume Einblick finden. Ihnen gemeinsam ist, dass sie Bewohner präsentieren, die sich nach der Berühmtheit sehen und mit Ihrem Talent dem Schattendasein entfliehen wollen.
Ein Stück soziale Realität wird mit dieser riesigen Skulptur in den künstlerischen Kontext versetzt. Der zweite Lichthof des Museums wird von einem prunkhaften aber leeren Festsaal dominiert, der an einer rundherum stattfindenden Party grenzt. Dieses Parallelevent ist lediglich durch Schattenrisse auf Glastüren sowie einiger Soundeffekte zu erahnen. Der Ausstellungsbesucher ist in diesem Fall der Celebrity und von der realen Welt um sich herum ausgeschlossen und hört lediglich den Tratsch und die Geräusche der Party.
In der Ausstellung „Celebrity – The One & The Many“ geht es in erster Linie nicht um den „traditionellen“ Star – sondern eher um die jungen Menschen, die für die berühmten „15- Minutes of fame“ oder sogar nur für einen Augenblick der Aufmerksamkeit jede Castingshow besuchen und damit jedes Mal Gefahr laufen ihre Würde aufs Spiel setzen. Diese neue Form des Eskapismus ist in einem bisher nicht bekannten Ausmaß festzustellen und wird in dieser Ausstellung auf künstlerische Weise untersucht.
Zu Bestaunen ist das Projekt noch bis zum 27. März 2011

















