Letztes Wochenende war es auch für mich endlich soweit – nachdem ich schon sehnsüchtig die Bilder vom Coachella und von Rock am Ring angeschmachtet hatte stieg ich letzten Donnerstag zusammen mit meiner Festivalcrew in den Familienvan und steuerte Richtung Neuhausen ob Eck. Wo mir letztes Jahr beinahe Schwimmhäute gewachsen wären und ich die längste Schlammpackung meines Lebens auf der Haut spazieren trug wurden wir diesmal ohne Stau, ohne Regen und mit viel Sonnenschein begrüßt. Welch ein Anblick!
via dasding.de
Wohlweislich waren wir diesmal sehr früh morgens losgefahren und kamen so ohne Stau schon kurz nach eins am Parkplatz an – wir wussten zwar, dass uns jetzt noch knapp drei Stunden bevorstanden, ehe die Campingplätze eröffnet würden, dafür hatten wir jetzt den perfekten Parkplatz. Keine fünfzig Meter vom Eingangstor entfernt konnten wir das erste Dosenbier genießen und die Campingstühle warmsitzen. Und die Sonnenhüte einweihen! Denn wo sich letztes Jahr jetzt schon die ersten Schlammschlachten geliefert wurden saßen jetzt fröhlich singende, von Vorfreude erfüllte Menschen herum und schwitzten sich die Seele aus dem Leib. Sollte diesmal etwa alles anders werden? Wir sahen uns schon im Bikini über den Zeltplatz hüpfen.
Doch zu früh gefreut. Kurz nachdem uns um zehn nach vier endlich die lang ersehnten (und dieses Jahr ausnehmend hässlich ausgefallenen) Festivalbändchen um die Arme gelegt wurden tat sich ein schwarzes Loch über dem ehemaligen Militärflugplatz auf und übergoss uns mit Badewannenladungen von Wasser. Revival vom Feinsten! Glücklicherweise hatten wir aus den letzten Jahren gelernt und hatten vorerst nur Pavillons und Zelte mitgenommen, sodass wir erstere auch im strömenden Regen mehr oder weniger schnell aufgebaut hatten und uns darunter im Trockenen aufhalten konnten. Kaum waren alle Zelte aufgebaut ließ der Regen nach und wir stellten mit Verzücken fest, welch genialen Campingplatz wir diesmal ergattert hatten. In der Königsachse zwischen Duschen/Klozelt (feste Klos! Mit Klopapier! Und Spülung!), Frühstückszelt und Partyzelt entstand unser wundervolles Lager aus drei Pavillons, acht Zelten und einem Ghetto-Blaster.
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Natürlich war es diesmal wieder kalt. Und nass, sehr nass. So einige Pavillons und Zelte haben es nicht überlebt, es gab auch diesmal wieder nasse Schlafsäcke und obdachlose Musikfreunde. Aber es gab auch viele spendierfreudige Mülltütenbesitzer und liebestolle Menschen, die ihr Zelt bereitwillig mit Menschen des anderen Geschlechts geteilt hätten (und sicher auch haben). Und es gab Musik. Viel. Gute. Musik.
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Am Freitagabend war mein erster Höhepunkt Flogging Molly. Letztes Jahr brachten mich in ähnlicher Weise die Dropkick Murphys zum Tanzen. I Blame Coco sahen wir uns nur aus den hinteren Reihen an, aber danach folgte schon einer der zwei Acts, die ich schon seit Jahren anhimmele: Lykke Li verzauberte mit ihrer Stimme, ihrem Outfit und ihrer reinen Präsenz. Wunderbar, sie endlich mal live zu sehen. Einen Rest von den Arctic Monkeys konnten wir noch verfolgen, bevor es dann schließlich zu den Foo Fighters ging. Großartige Liveband! Wetter: Weniger großartig. Sintflutartige Regenmassen ergossen sich über unseren Köpfen, und da ich zu faul gewesen war nochmal zum Zeltplatz zurückzulaufen war ich mit Chucks, Leggings, Kleidchen und Primarkponcho auch eher schlecht ausgestattet. Selbst Schuld, aber bei guter Musik lässt sich auch das aushalten. Zum Aufwärmen ging es nach den Foo Fighters dann noch an Clueso vorbei ins Zelt zu den Bright Eyes, die mich so mit 14, 15 sehr intensiv begleitet haben und die auch tatsächlich ein paar alte Stücke raushauten. Allerdings schafften sie es, die komplette Besucherschar mit ihrem Abgang (ohne Ankündigung, ohne thank you oder bye) zu verärgern.
Zurück am Zelt freute ich mich wie ein Honigkuchenpferd, dass ich diesmal sämtliche Klamotten in Plastiktüten verpackt hatte und mich so aus den nassen Stofffetzen schälen und in trockene Socken, Hosen und Pullis vermummeln konnte.
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Am Samstag schafften wir es mal wieder erst gegen nachmittag Richtung Festivalgelände. Wie das eben so ist – schade um die ganzen unbekannten, aber sicher spannenden Acts die vormittags so spielen, aber schließlich muss man sich auch ein bisschen Kräfte für abends aufsparen. Nächstes Jahr, nehme ich mir vor, will ich auch mal etwas früher zu den Bühnen. Los ging es für mich am Samstag also mit Darwin Deez, der mit seinem Radar Detector schon seit über einem Jahr immer wieder meine ganze WG zum Tanzen und Singen bringt. Portugal the Man habe ich aus mir unerklärlichen Gründen verpasst (ja, ich bereue es!), aber Kaizers Orchestra haben mich danach völlig verzaubert. Super! Mehr oder weniger durch Zufall hat es uns danach glücklicherweise zu Elbow verschlagen. Wer braucht eigentlich noch Coldplay? Ein bisschen Jimmy Eat World, einiges an Portishead und danach: Die Eels! Wie kann es sein, dass ich die vorher noch nicht kannte? Zum Glück hat man immer ein paar Leute vorbei, die von irgendwem irgendwann schonmal irgendwas gehört haben und deshalb sicher sind, dass man dahin gehen muss. Ein Stück weit Arcade Fire konnten wir noch sehen – dann hieß es Plätze sichern für die Chemical Brothers. Und wie sich das gelohnt hat. Direkt rechts vom langen Wellenbrecher hatten wir die beste Sicht des gesamten Festivals, und das hat sich bei der Visual Show auch gelohnt. Wofür Drogen, wenn es so einen audiovisuellen Flash geben kann?!
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Am Sonntag wartete zum Abschluss ja mein persönliches Highlight, Incubus. Vorher gab es allerdings noch diverse andere Top Acts zu sehen. The Sounds konnten mich nicht so überzeugen, umso cooler waren Gogol Bordello, beziehungsweise die vier jungen Herren hinter dem zweiten Wellenbrecher, die aus einer riesigen Schlammlache ihre persönliche Badewanne und Tanzfläche machten. Galgenhumor at it’s best, und mir hat es noch nie so wenig ausgemacht meine pinke Regenjacke mit braunen Flecken übersähen zu lassen. Anschließend ließ ich mich restlos von den Qualitäten von Kasabian überzeugen. My Chemical Romance ist ja so etwas womit man mich eigentlich jagen kann. Aber es war dennoch sinnvoll, sich deren letzte Lieder anzuhören – denn dadurch konnten wir uns gute Plätze für Incubus sichern. Und so endete das Southside 2011 mit einer meiner absoluten Lieblingsbands, die wenig zu wünschen übrig ließ.
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Mein Fazit aus diesem Jahr: Egal wie schön es am Himmel aussieht, nimm trotzdem immer Mülltüten mit. Billige Primark-Regenjacken halten vielleicht einen kurzen Schauer aus, aber keine Sintflut wie bei den Foo Fighters am Freitagabend. Es reicht definitiv, eine Stange Toastbrot, Schaibletten-Käse und Nutella mitzunehmen. Statt Ravioli lieber Bier einpacken. Und: Blumenhaarkränze machen alles besser. Ich wurde auf keinem Festival so oft angegraben wie dieses Jahr, und alles nur dank der Blumen im Haar. Das kann die Stimmung in so manchen Situationen wirklich retten, wenn auch nur weil man sich über bescheuerte Anmachsprüche lustig machen kann. Und ich bin jetzt für geschätzte zehn Hochzeiten als Blumenmädchen vorreserviert. Leute, meldet euch! Ich komme gerne.
Achso… die Bilder von unserer Einwegkamera sind noch nicht entwickelt. Deshalb stammen all Bilder hier von dasding.de. Merci! Dort gibt es übrigens auch hervorragende Live-Mitschnitte von den Konzerten, unter anderem von Elbow, Gogol Bordello oder Kasabian. Anschauen!