Toll ist, wenn irgendetwas meine großen Leidenschaften miteinander verbindet: Fliegen, Fotografie, Mode. Joseph Ford hat mit seinen Aufnahmen genau das geschafft. Er kombiniert tolle Landschaftsaufnahmen aus der Luft mit modischen Detailaufnahmen. Seine gesamten Arbeiten zeugen von einem gewissen Augenzwinkern und sind mir damit sofort sympathisch. Der britische Fotograf wurde in London geboren und lebt – nach einem Studium in Cambridge – jetzt in Brighton. Er arbeitet vor allem als Advertising und Editorial Fotograf – hat in den letzten Jahren aber auch eine Leidenschaft für Landschafts- und Luftaufnahmen entwickelt. Jetzt hat er mir ein paar Fragen beantwortet.

All images © Joseph Ford 2011-13. All rights reserved.

Deine Bilderserie mit den Aerial and Fashion Photography Mashups macht im Moment Furore. Wie kamst du auf die Idee?

Die Luftaufnahmen habe ich schon vor zwei Jahren gemacht. Danach kam mir zusammen mit Mario Faundez und Stephanie Buisseret, Stylist und Art Director eines französischen Magazins, die Idee zu den Mashups: Zuerst habe ich fünf Bilder zusammengestellt, die kurz darauf mit den britischen Association of Photographers Awards ausgezeichnet wurden und auch bei den International Photography Awards ein Honorable Mention erzielen konnten. Vor ein paar Monaten kam dann das Süddeutsche Zeitung Magazin auf mich zu und wollte mehr Bilder im selben Stil, die ich zusammen mit der Stylistin Almut Vogel entwickelte. Ich schlug einige Luftaufnahmen vor, dann suchte Almut Vogel die dazu passende Mode aus.

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Ich liebe auch deine „Would you let a monkey sit on your head?“ Serie. Kannst du mir etwas darüber erzählen?

Danke. Ich wollte damit die Unterschiede zwischen Mensch und Tier herausstellen. Es ist immer spannend jemanden zu sehen, der seinem Haustier ähnlich sieht – oder wenn jemand überhaupt nicht so aussieht, dass man ihn sich mit einem bestimmten Tier vorstellen kann. Ich wollte das Ganze noch weiter treiben und Menschen mit Tieren zeigen, die man eigentlich nicht als Haustiere hält. Auch hier sind trotzdem Ähnlichkeiten und Unterschiede offensichtlich – sei es optisch, wie das Chamäleon, das sich der Uniform des Soldaten anpasst, oder linguistisch, wie das Schwein: Pig heißt im englischen Slang Polizist. Auch die Bänker mussten in den letzten Jahren so einige Verunglimpfungen ihrer Berufsbezeichnung erleben, weswegen ich einen Bänker mit einem Aasgeier fotografiert habe. Die nackten Sphynx Katzen liebe ich, seit ich sie in Austin Powers gesehen habe – und als ich irgendwann in einem Restaurant einen Mann mit dem perfekten Glatzkopf sah wusste ich: Dich muss ich mit einer nackten Katze fotografieren. Bei dieser Serie hatte ich übrigens extrem viel Hilfe von Trevor Smith, einem Tiertrainer.

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Du bist in London geboren und lebst jetzt in Brighton. Was magst du am meisten an diesen beiden Städten? Was macht sie lebenswert, und inwiefern beeinflussen sie deine Arbeit?

An London mag ich vor allem die Energie und die endlosen Möglichkeiten. Brighton ist eine Stadt in der man daran gewöhnt ist, jeden Tag die abstrusesten Dinge zu sehen: Zum Beispiel 3000 Zombies, die den Zombie Walk durch die Stadt machen. Außerdem ist es toll, am Meer zu leben. Die Freiheit, Sport am Strand zu machen, ist einfach nur wundervoll. Meine Arbeit selbst erledige ich eigentlich hauptsächlich in Paris, wo ich einige Jahre lang gelebt habe. Ich würde also nicht sagen, dass es eine einzige Stadt gibt, die meine Arbeit beeinflusst – es ist eher die Tatsache, dass ich ständig unterwegs bin und das Glück habe, viel Zeit an verschiedenen Orten zu verbringen. So sehe ich ständig neue Dinge und bekomme frische Ideen.

Unterteilst du dein Leben in „Arbeit“ und „Freizeit“? Wann bist du am kreativsten, wann arbeitest du?

Ich versuche schon, Privatleben und Arbeit zu trennen, vor allem seit ich kleine Kinder habe. Aber die beiden Bereiche überschneiden sich natürlich: Es kommt oft vor dass ich mit meiner Familie spazieren gehe und dabei eine Idee bekomme oder etwas sehe, das mich inspiriert. Die meisten Ideen bekomme ich aber beim Sport oder am Ende des Tages, wenn ich nicht aktiv über kreative Dinge nachdenke.

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Wie entwickeln sich deine Ideen – und wer ist die erste Person, mit der du über sie redest?

Ich denke meist ewig über eine Idee nach. Dann höre ich ganz bewusst auf, darüber nachzudenken, und warte bis sie aus einer anderen Richtung und mit einem neuen Blickwinkel zu mir zurückkommt. Meistens rede ich dann zuerst mit meinem Agenten in Paris oder mit meiner Frau darüber.

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Vielen Dank für das Interview, Joseph!

Ich wurde übrigens durch das Art & Design Blog This is Colossal auf Joseph Ford aufmerksam.

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