Ja, ich gebs zu, ich bin ein altes Lena Hoschek-Fangirl. Das liegt zum einen an ihren Kollektionen, daran, dass sie jede Saison eine neue kleine Welt schafft, eine Geschichte erzählt, zum Träumen einlädt. Das liegt aber auch an ihrer Art und an ihrer Denke, an der Grundaussage ihres Seins: Wir Frauen sollten uns jeden Tag ein bisschen selbst feiern (und ihr Männer natürlich auch)! Im Interview habe ich jetzt mal wieder genau darüber mit ihr gesprochen. Auch diese Saison hat die Österreicherin Berlin erneut etwas mehr Weiblichkeit eingehaucht, und wir durften uns auch vor der Show etwas hinter den Kulissen umgucken.

Und die Show selbst? Eine Zelebration des Sex Appeals, des Elans, der wiegenden Hüften. Mit Softporno aus den Sechzigern im Hintergrund und Bullet Bras unter Spitzenblusen wurde selbstverständlich wieder ordentlich in die Retro-Kiste gegriffen, eine ordentliche Portion Glitzer entspricht dem aktuellen Trend.

Ein goldener, Brokat-ähnlicher Stoff tauchte ebenso häufig auf wie die großflächigen Blumenmuster mit Senfgelb als Grundton. Absolut begeistert war ich von den edlen Stickereien auf Schwarz und den federnden Locken; neben Schwarz, Gold und Gelb tauchte viel Camel und Waldgrün auf. Der Soundtrack mit Dr. John, David Lynch und The Dead Weather entsprang wie immer Lenas Hirn.

Nachdem der Applaus verebbt, die Blumen überreicht und die Gratulationen ausgerichtet wurden, fanden sich dann auch noch ein paar Minuten für einen kleinen Schnack:

Lisa Du hast es vorhin selbst schon gesagt, und man hat es auch wieder deutlich gesehen: Dein Thema ist und bleibt die Frau. Was reizt dich immer wieder daran, die Frau und die Weiblichkeit so zu zelebrieren?

Lena Hosckek Naja, erstmal natürlich dass ich selber auch eine bin… und ich finde, wenn man viel arbeitet und immer so viel im Kopf hat rund um Familie, Job und Karriere, Sport oder dass man auch keinen Sport macht, und Ernährung und all das was man noch so im Kopf hat – dann vergisst man oft, sich so zu fühlen wie man eigentlich ist. Weil man vielleicht irgendwelchen Idealen hinterher hetzt oder eben so viel im Kopf hat, dass man seinen Körper gar nicht mehr so richtig spürt. So dass man sich vielleicht fast schon mal gehen lässt, sich zumindest immer nur bequem kleidet, nicht mehr aufs Make Up achtet und die Haare nur noch zusammen bindet und so… Und das hatte ich, also, ich war für meine Verhältnisse fast schon im Schlabbermodus, und wollte das ändern. Und ich merks auch an mir selber. Ich bin jetzt auch einfach wieder mehr ich. Ich trage mittlerweile wieder extrem gerne Dekollete, das hab ich lange Zeit gar nicht gemacht. Und ich finde, dass man sowohl arbeiten kann… oder, dass man sein Leben „im Griff haben“ kann oder auch nicht, dass man sich und seine Weiblichkeit aber sehr wohl und auf jeden Fall jeden Tag selbst feiern kann.

Lisa Und apropos Weiblichkeit – könntest du dir auch vorstellen, mal eine Männerkollektion zu machen?

Lena Hosckek Ja, absolut! Ich hätte auch schon längst eine Männerkollektion, wenn mein Team schon groß genug dafür wäre und ich mehr Möglichkeiten hätte. Aber ja, eine Männerkollektion reizt mich wahnsinnig. Weil genau so, wie ich auf richtige Frauen stehe, steh ich auf richtige Männer!

Lisa Hört hört, und wie darf ich mir den Lena Hoschek Mann dann vorstellen? Anzug und Fliege?

Lena Hosckek Auch, ja! Ich liebe englische Herrenschneiderei.

Lisa Hast du ein Lieblingsstück aus der neuen Kollektion, gibt es ein Key Piece?

Lena Hosckek Also, ich mag natürlich alle Teile sehr gerne, aber besonders gut gefällt mir die Spitze. Ich liebe die Spitzentops, und an dieser Stelle auch nochmal danke an Triumph, die diese wahnsinnigen alten Spitz BHs, die es seit den Fünfzigern gibt, immer noch herstellen und für uns zur Verfügung gestellt haben! Die sind übrigens immer noch Verkaufsschlager von Triumph! Und ich finde diesen Look mit diesen Spitzbusen einfach auch provokant… also, wer trägt das schon? Spitzbusen sind wirklich… wer weiß, vielleicht kommt das auch nochmal – jetzt vielleicht wieder?! [lacht] Das ist natürlich wirklich mit Augenzwinkern gedacht, aber das gefällt mir einfach, dieses Hier bin ich, und meine Titten gehen mir voran! Das find ich natürlich ironisch und lustig.

Etwas provokant, lustig, schön und erotisch war übrigens auch der Sexploitation Film, der während Lenas Show im Hintergrund lief. Eine Erotik, die von unserem Verständnis dafür so weit weg ist, dass wir sie fast schon wieder witzig finden. Genau das war Lena Hoschek aber wichtig, denn diese Filme zeigen etwas, was für uns heute nicht mehr typisch sexy ist: Unperfekte Körper, schlaffe Brüste, aber ein breites Grinsen im Gesicht. Ohne Retusche, dafür mit Grübchen im Po. Und dadurch echt und sexy.


Fotos © 2014 uberding / Lena Reiner

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