Letzte Woche hatte ich euch von Williamsburg berichtet und auch dieses Wochenende sind wir (zumindest teilweise) in Brooklyn geblieben. Die Gegend östlich des East River hat einfach viel zu bieten, was viele Manhattan-Bewohner leider nicht verstehen und immer auf ihrer lauten, grauen Insel bleiben.

Wohnt man aber in Brooklyn, so merkt man schnell, dass es dort bessere Möglichkeiten gibt, einen freien Tag zu verbringen. Ob im Prospect Park, im Brooklyn Bridge Park oder wo auch immer. Der Brooklyn Bridge Park war diesen Sonntag wieder einmal unser Ausflugsziel, dieses Mal ging es uns aber nicht um die Aussicht oder all die Sportanlagen – dieses Mal stand Foodporn auf dem Programm.

Der Smorgasburg Food Flea Market

Jeden Sonntag findet nämlich der „Smorgasburg Food Flea Market“ statt, wo dutzende Stände unterschiedlichste Speisen anbieten. Von Pommes über Meatballs bis hin zu Asiatischen Spezialitäten, süßem Gebäck und frischem Eistee. Die Preise sind vielleicht etwas höher als in so manchem Imbiss der Stadt und die Menschenmassen, die sich zwischen den Ständen drängen, mögen die Nerven strapazieren. Doch bekommt man sonst wohl nirgends in der Stadt gleichzeitig soviel Diversität und Qualität als hier. Der Smorgasburg Food Flea Market hat übrigens immer von 11 bis 18 Uhr geöffnet und es ist empfehlenswert, Bargeld mitzubringen. Es gibt vor Ort zwar einen Geldautomaten, sollte dieser aber Probleme mit der Deutschen Kreditkarte haben, wäre man aufgeschmissen!

 Franzosen in New York

„Franzosen in New York, fängt der Flo jetzt etwa an, über jedes Volk etwas zu schreiben?“ – das könntet ihr euch nun fragen. Keine Angst, das werde ich nicht! Doch wie ich schon letzte Woche berichtet habe, sind die Menschen in New York City einfach ein sehr bedeutender Faktor – und die Franzosen sind mir jetzt schon öfter aufgefallen. Warum? Weil das mit den Franzosen in New York ein bisschen so ist, wie mit den Deutschen auf Malle. Es gibt sehr sehr viele Franzosen hier, die die Stadt eben très chic finden und zeigen wollen, was für Kosmopoliten sie doch sind.

Ist ja nichts daran auszusetzen. Wie unsere lieben Nachbarn ihren Aufenthalt dann aber gestalten, ist irgendwie etwas doof: Wie auch viele Deutsche auf Malle suchen die Franzosen in New York nur ihre Landsleute – le Frenchy à New York –  um mit diesen dann abzuhängen, französisch zu sprechen und sich generell bloß nicht anzupassen. Ist ja ihre Sache, könnte man nun sagen. Doch was dann wirklich anstrengend ist, ist der Umgang der „Frenchys“ mit anderen Nationalitäten. Sitzt du als Deutscher mit ein paar Franzosen am Tisch, hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du sprichst Französisch oder du hast verloren. Es kommt sogar vor, dass du auf Französisch angesprochen wirst – von Leuten, denen du schon fünf mal erklärt hast, dass du ihre Sprache nicht sprichst oder es einfach nicht einsiehst, in Amerika Französisch zu sprechen.

Ich kann ja keinen zwingen, seinen Horizont zu erweitern, aber das Verhalten ist schon ein bisschen uncool oder? Vor allem wenn dann der Moment kommt, an dem all die Franzosen die Speisekarte (natürlich auf Englisch) nicht verstehen und du ihnen Erbsen, Rucola und andere alltägliche Dinge übersetzen musst.

Fußball-WM in New York

Ich war ja ein bisschen traurig, als ich mein halbes Jahr NYC plante! Schließlich sollte die Fußball-WM in genau dieser Zeitspanne stattfinden und die USA sind ja für vieles bekannt – nicht aber für besonderes Interesse und Fachwissen im Bereich „Soccer“. Außerdem bedeutete WM für mich nicht nur Fußball, sondern auch Geselligkeit. Seit ich denken kann, wurde zu jedem Spiel der Nationalmannschaft mit Freunden gegrillt und gemeinsam mitgefiebert.

Letzteres kann ich hier leider nicht wirklich haben, was aber in erster Linie daran liegt, dass die Spiele hier tagsüber stattfinden und ich so meistens im Office sitze. Allerdings ist die Lage in Deutschland da ja auch nicht viel besser: Ein Grillfest nachts um 3? Auch nicht gerade brillant!

Was das Interesse und die Stimmung hier angeht, bin ich aber positiv überrascht. Natürlich ist nicht wie in Deutschland plötzlich auf jedem Schokoriegel, Joghurt oder Chipspackung ein WM 2014 Logo zu sehen – es gibt aber wirklich viele Menschen, die sich für den World Cup interessieren und einige Bars bieten Specials an und übertragen die Spiele.

Da ich bei adidas arbeite, habe ich sozusagen den Jackpot gezogen: Bei uns läuft jedes Spiel auf einem riesigen Fernseher im Office und ich bin bei weitem nicht der einzige, der seinen Arbeitsplatz vor die Glotze verlegt. Cool ist die Tatsache, dass hier durch den krassen Multikulti-Faktor unzählige Nationalitäten vertreten sind – irgendjemand freut sich immer, irgendjemand leidet (fast) immer!

Gestern habe ich dann mit einigen Kollegen (ein Ami, ein Schwede, ein Franzose eine Italienerin) den grandiosen Sieg der Deutschen angesehen, von dem alle sichtlich beeindruckt waren. Nach dem Spiel begegne ich auf dem Flur einer Kollegin, die selbst schon ein Jahr lang in Deutschland gelebt hat. Sie grinst mich breit an und schreit voller Überzeugung „Deutschland über alles!“ – ich habe ihr dann erklärt, dass das eher nicht die ideale Wortwahl ist!

 

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