Von den USA und dem Amerikanischen Lifestyle kann man ja halten was man will, den ein oder andere negative Aspekt am American Way of Life hat wohl jeder im Kopf, ob das Thema Krankenversicherung, Waffengesetze oder die ständige Doppelmoral, die man als liberaler Europäer teilweise nicht versteht. Gestern am Strand wurden beispielsweise einige Jugendliche von der Polizei des Platzes verwiesen, weil sie öffentlich am Strand gemütlich ein Bierchen tranken. Ein Bier! In Deutschland quasi Grundnahrungsmittel und überall absolut Teil des Alltags.

Doch eigentlich will ich heute über den schönen Teil des Lebens in den USA schreiben. Den Teil, den ich schon früher irgendwie anziehend fand und der mich hier noch mehr mitreißt und mir manchmal diese kribbeligen „Oh-Mein-Gott-ich-bin-in-einem-Film“-Momente beschert. Der Teil, den man eben vordergründig als den „American Way of Life“ sieht, den Coca-Cola-Teil, den Hollywood eben gerne noch ein bisschen bunter malt.

Diese Woche hatte ich gleich zwei dieser Momente, zwei sehr intensive sogar:

4th of July – Independence Day

Auf die Tatsache während des vierten Julis in den USA zu sein, hatte ich mich schon von Anfang an gefreut. Schließlich ist der Independence Day neben Thanksgiving und Weihnachten wohl einer der wichtigsten Tage für den Amerikanischen Kitsch-Lifestyle, das musste ich also wirklich einmal erleben! Der Tag war dann aber eigentlich unspektakulär, was wohl drei Gründe hatte: Zum Einen spielte am Freitagvormmitag Deutschlang gegen Frankreich, weshalb ich mich beim besten Willen nicht dem Erkunden der Amerikanischen Kultur widmen konnte. Außerdem regnete es den ganzen Tag – auch nicht gerade die ideale Zutat für einen Hollywoodfilm-Klischee-Tag. Und zum Anderen ist eine multikulturelle Großstadt wie New York vielleicht auch nicht der ideale Ort, um den Uncle-Sam-Moment zu erleben. Im Umland und in der Amerikanischen Pampa trafen sich natürlich die Familien zum Barbecue und was eben so dazugehört, in der Stadt und bei Regenwetter sieht es da aber eher mau aus.

Doch keine Angst, mein 4. Juli fiel keinesfalls ins Wasser. Wie bestellt wurde das Wetter mit der Dämmerung richtig gut und bot so die ideale Voraussetzung für den wohl spektakulärsten Teil des Tages: Das Feuerwerk. In Sachen Feuerwerk hatte ich an die USA, die immerhin die einzigen Deppen waren, die jemals Atombomben abgeworfen haben, natürlich große Erwartungen. Dass der Kaufhausriese Macy’s Sponsor der Show war, ließ meine Erwartungen zusätzlich steigen – schließlich wissen wir alle von Silvester: Gescheite Raketen kosten Geld, der billige Kram ist eher Schall und Rauch.

Mit sehr Amerikanischem Feeling brachen wir also zum Brooklyn Bridge Park auf, um vom besten Spot der Stadt und quasi in erster Reihe das Feuerwerk anzusehen. Natürlich waren wir nicht die einzigen, die diese Idee hatten und so pilgerten wir mit tausenden anderer Menschen zur Promenade, wo bereits unzählige Familien dafür sorgten, dass nicht mehr allzu viel Platz war. Wir fanden dennoch ein freies Fleckchen und nach einer guten Stunde des Wartens zwischen Klischee-Amerikanern, Schwarzen, Latinos, Asiaten und Arabern brach die Dunkelheit über die Stadt herein. Mit der Dunkelheit begann dann auch das Feuerwerk, das meine Erwartungen nicht enttäuschte. Was Macy’s da in die Luft ballerte und von der Brooklyn Bridge regnen ließ, ließ unser Silvester irgendwie aussehen wie einen Kindergeburtstag. Eine halbe Stunde lang zeigten die Feuerwerker, was gerade State of the Art ist und zauberten alle Formen und Farben an den Himmel. Der perfekte Ort, um das Feuerwerk in seiner vollen Bandbreite zu beobachten, ist übrigens die nördliche Spitze der Promenade rund um das Fußballfeld auf Pier 5. Von dort hat man sowohl die Brooklyn Bridge als auch die Feuerwerks-Boote im East River im Blick, allerdings muss man hierzu wohl sehr sehr früh kommen, wir fanden dort keinen Platz mehr.

Als das Spektakel zu Ende war, hätte man problemlos einen Film über die Völkerwanderung drehen können. Hunderttausende marschierten von der Promenade zurück zu den UBahn-Stationen, was ein Typ an der Straße mit „Oh my god, what a shit show“ kommentierte. Ich schaute ihn nickend an und wir lachten uns gemeinsam tot. Auch das sind diese Momente, in denen ich unglaublich gerne hier bin. Diese enorme Interaktion mit wildfremden Menschen, die manchmal einfach sehr schön ist!

Beim Baseball-Spiel der New York Mets

Wir waren ja bereits beim Basketball, hatten uns aber vorgenommen, so viel wie möglich zu sehen. Für Eishockey und Football waren wir zu spät, doch glücklicherweise läuft die Baseball-Saison quasi immer. Wir entschieden uns also, den sonnigen Samstag zu nutzen und uns ein Spiel der New York Mets anzusehen. Warum die Mets und nicht die Yankees? Nun, ich habe mir sagen lassen, dass es sich mit den Teams ein bisschen so verhält, wie mit dem HSV und St. Pauli. Die einen sind zwar (in der Regel) deutlich erfolgreicher, die anderen aber irgendwie sexier. Und billiger, was die Karten angeht. Da ich von den Regeln ohnehin keine Ahnung habe und es mir mehr um das Erlebnis ging, wählte ich also die Mets, deren Stadion sich in Queens befindet.

Wir trafen einen deutschen Freund, kauften uns drei Family-Packs (jeweils eine Eintrittskarte, sowie Gutscheine für einen Softdrink, einen Burger und eine Portion Pommes, das ganze für 48$) und saßen wenig später ganz nah am Spielfeld, wo wir uns erstmal ein wenig mit den Regeln befassten. Wir merkten schnell: Um USA-Feeling zu verspüren, ist Baseball weitaus besser geeignet, als Basketball. Es ist schwierig festzumachen doch im Baseball-Stadion spürt man die Stimmung einfach mehr, vielleicht liegt es daran, dass Baseball der „weiße Sport“ ist und damit mehr dem Bild entspricht, das man vorher bereits im Kopf hat. Zwischen Burger- und Hot Dog-Ständen, Menschen mit Fan-Mützen ihrer Teams und den Spielern auf dem Feld, die heute noch aussehen wie auf Baseballkarten vor einigen Jahrzehnten, muss man einfach irgendwie Spaß daran bekommen, bei diesem Ereignis dabei zu sein.

Das Spiel an sich ist dann – verglichen mit den meisten Europäischen Sportarten – eigentlich sehr unspektakulär, fast ein bisschen langweilig. Über drei Stunden sitzt man da und schaut den Sport-Millionären dabei zu, wie sie versuchen, den Ball wegzuschlagen und dann mehr oder weniger schnell zur nächsten Base zu rennen.

Doch trotzdem: Ich empfehle jedem, sich in Amerika ein Baseballspiel anzuschauen. Man kann auch später kommen oder früher gehen – die Atmosphäre aus Sport, Entertainment und amerikanischem Essen ist einfach genial und ich musste ständig an „Die nackte Kanone“ denken, den Lieblingsfilm meiner Kindheit!

Das Wetter in New York

Ich habe in diesem Beitrag über Regen und Sonnenschein geschrieben, letzten Mittwoch hat es gewittert und wie aus Kübeln geschüttet und am Sonntag lag ich dann bei strahlend blauem Himmel am Strand – Zeit, kurz ein paar Worte zum Wetter zu verlieren.

Zunächst einmal die Hauptinfo: Das Wetter in New York ist extrem. Der Winter sehr lange und unfassbar kalt, der Sommer sehr lang und unfassbar heiß. Dazwischen gibt es sehr wenig. Wenn ihr eine Reise nach NYC plant, so solltet ihr euch darüber im Klaren sein, dass das Thermometer zwischen Juni und September sehr oft Temperaturen über 30°C anzeigt, in den UBahn-Stationen dann auch über 40°C. Der Wetterbericht ist hier nicht wirklich hilfreich, da sich das Wetter sehr oft ändert und es dann doch anders kommt, als geplant.

Was wir aber gelernt haben: Man kann am Abend meist sehr gut erkennen, wie das Wetter am nächsten Tag wird. Ist es abends sehr bewölkt oder regnet es, so wird der nächste Tag oft mies. Ist der Abend warm und klar, so kann man davon ausgehen, dass der nächste Tag sehr schön wird. Nur eben schön heiß!

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