Wir sind Fans von Echtem. Von echten Menschen, von echten Marken, von echten Gefühlen. Von echten Orten. Tirol ist so ein echter Ort, und stolz darauf. Ich habe schon diverse Winterurlaube in Tirol verbracht, in St. Anton Skifahren gelernt und am Stubaier Gletscher den schlimmsten Skiunfall meines Lebens gehabt, ich verbinde (trotzdem) nur Positives mit dieser Region. Tiefschnee, Weiß, Himmel, Blau – aber Tirol ist noch viel mehr. Natürlich. Auch hier hängen die Wolken manchmal tief, es gibt eisige Pisten und hässliche Skianzüge. Und es gibt Tirol natürlich auch im Sommer. Tirol ist so viel mehr als Skiurlaub.

Und genau das feiert die Region jetzt selbst. „Ursprünglich als Kunstprojekt der Tirol Werbung geplant und mit dem deutschen Fotobuchpreis gewürdigt, war es Anstoß, langfristig die Ehrlichkeit in der Kommunikation in den Fokus zu stellen und nicht mehr bunte und computermanipulierte Hochglanzutopien. Dies ermöglicht neue, authentische Begegnungen mit dem Land im Gebirge und seinen Menschen“, heißt es deshalb auch auf dem Tirol tumblr – und genau dort habe ich auch diese wunderbaren, echten Fotos entdeckt.

Eine der Fotografinnen des Projekts Sehsucht ist Monika Höfler. Sie wurde 1977 in München geboren und ist mittlerweile international tätig. Ihr Fokus liegt auf Portraits und Reportagen, und ihr realitätsverliebtes Auge sieht man ihren Bildern an. Ich habe mit ihr über ihre Arbeit, über Tirol und die Menschen dort gesprochen.

Du kommst aus Süddeutschland, da ist es nicht mehr so weit bis nach Tirol. Hast du einen persönlichen Bezug zu Tirol?

Mein Vater kommt aus Füssen, deshalb waren wir eigentlich eher auf dem deutschen Teil der Alpen unterwegs. Aber natürlich waren wir auch oft in Tirol! Skifahren gehört als Münchnerin einfach dazu. Im Winter finde ich es beeindruckend, wie still es ist wenn es geschneit hat. Wenn man dann Schneeschuhwandern geht, dann ist da so eine unwahrscheinliche Stille, weil der Schnee jedes Geräusch schluckt. Das ist der Wahnsinn. Im Sommer ist es vor allem die überwältigende Natur, in der man so viel unternehmen kann: Schwimmen, Wandern – einfach draußen sein!

Was ist für dich typisch Tirol?

Am typischsten für Tirol finde ich eigentlich die Menschen. Die geerdeten Leute dort, Naturmenschen, die so stark verwurzelt sind, gleichzeitig aber auch modern: Grade was die sportlichen Möglichkeiten angeht sind die ja immer vorne dabei, beim Gleitschirmfliegen oder irgendwelchen verrückten neuen Sportarten. Dieser Spagat zwischen alt und neu ist für mich typisch Tirol.

Gibt es auch irgend etwas, das du an Tirol gar nicht leiden kannst?

Hm… Mit dem Kaffee muss noch geübt werden [lacht]. Also, es gibt schon Orte wo es guten Kaffee gibt, aber generell…

In deinen Arbeiten beschäftigt du dich viel mit Veränderungen in der Welt und den Folgen der Globalisierung.

Ich bin viel auf der Welt unterwegs, und da beschäftigt man sich automatisch mit den Veränderungen der Welt – aber mein Thema sind eigentlich eher Begegnungen, in aller Art. In Tirol ist natürlich dieser Spagat zwischen Tradition und Moderne extrem spannend, und das hat natürlich schon auch mit Globalisierung zu tun: Inwiefern kann man Traditionen beibehalten und die Wurzeln weiter pflegen, sich nicht in der weiten Welt verlieren, aber trotzdem auch mit der weltweiten Entwicklung gehen? Und genau das kriegen die Tiroler eigentlich ganz gut hin, gerade auch menschlich gesehen: Viele Tiroler sind sehr traditionsverbunden, aber natürlich haben viele von ihnen auch iPhones und tolle Autos, fahren Snowboard und so weiter.

Zum Thema Begegnungen: Ich finde auch deine Fotos aus der Mongolei ungeheuer beeindruckend. Wie schaffst du es, fremden Menschen in einer fremden Kultur mit der Kamera so nah zu kommen?

Also, da hatte ich den kleinen Vorteil einen Filmdreh begleiten zu dürfen. Ich war zwei Wochen mit den Leuten unterwegs und bin denen dann natürlich nah gekommen, und im Gegensatz zu meinen sonstigen Reportagen waren die natürlich auch nicht so scheu, weil es für sie nichts ganz Fremdes war vor der Kamera zu stehen. Wobei da natürlich schon auch noch mal ein Unterschied zwischen Filmen und Fotografieren ist – beim Film werden die Menschen ja doch eher bei sich gelassen, und für Portraits müssen die Leute viel präsenter sein, die müssen ja in die Kamera gucken und wirklich da sein. Und die Mongolen stellen sich nicht besonders gerne zur Schau. Besonders schüchtern sind sie aber auch nicht, eher selbstbewusst und mit einer inneren Ruhe. Da erinnern sie mich fast schon wieder an die Tiroler Bergbauern. Die haben auch so ne Ruhe, eine ungeheure Präsenz und eine schöne Entspanntheit, die stehen einfach da, komme was wolle. Das ist beim Fotografieren schon sehr dankbar. Weil das beste Foto entsteht, wenn alle entspannt einfach präsent sind.


Alle Bilder via Sehsucht. Titelbild von Olaf Unverzart.

Kommentare

Send this to a friend