Nach einem Abstecher in die albanischen Alpen diesen Sommer ging es natürlich noch lange nicht nach Hause und so bahnten wir uns unseren Weg von den Gipfeln ins Nachbarland Mazedonien. Aus dem Busfenster heraus sahen wir ein Stück des Kosovos an uns vorbeiziehen, am Straßenrand kauften wir frisch gepflückte Feigen in einem Beutel so groß, dass er mich hier ein Vermögen kosten würde. Als wir dann die mazedonische Grenze überquert hatten und ich auf den Schildern fast ausschließlich kyrillische Buchstaben gesehen habe, die ich zu diesem Zeitpunkt noch alle nicht lesen konnte, wusste ich, dass mich hier ein weiteres Stück Abenteuer erwarten würde.

Mazedonien, wirklich?

Mazedonien als Urlaubsland? Ich habe immer wieder Stirnrunzeln erlebt. In den meisten Fällen tauchen in den Köpfen wohl immer noch zuerst die Erinnerungen an die Krisenzeiten in Jugoslawien auf, aus dessen Zerfall dann ab den 90ern die allgemein anerkannten Staaten Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien hervorgingen. Anders kann ich es mir sonst auch nicht erklären, weshalb wir bisher so wenig über die Schönheit dieser Orte wissen. War euch zum Beispiel bewusst, dass sich Mazedonien und Albanien einen der tiefsten und den ältesten See Europas teilen? Der 30 Kilometer lange Ohrid-See sollte jedenfalls unser nächstes Ziel werden. Wo am Ufer man sich am besten niederlässt, darüber kann man diskutieren. Wir haben uns für den Ort Ohrid entschieden, der auch zu den Top-Destinationen in Mazedonien zählt.

Ohrid in Mazedonien: Besser als der Gardasee!

Was soll ich sagen? Nicht ohne Grund ist die Stadt nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, sondern die Region auch Weltnaturerbe. Ein atmosphärischer Ort mit Jahrhunderten an Geschichte. Randvoll mit wunderschönen Ansichten, malerischen Altstadtgässchen, atemberaubendem Seeblick. Oft wird Ohrid auch das Jerusalem des Balkans genannt, weil es einst 365 Gotteshäuser innerhalb seiner Stadtgrenzen vereinte. Eines für jeden Tag des Jahres. Die Majestät der verbleibenden alten Gemäuer kann ohne weiteres mit jeder beliebten Sehenswürdigkeit in Griechenland oder der Türkei mithalten. Ich behaupte sogar, dass die den See überragende Kirche Saint Jovan Kaneo problemlos zu den glorreichsten Bildern gezählt werden kann, die sich in Europa auftun.

Ohrid ist einer dieser Orte, die ganz laut „Ferien!“ rufen. Tagsüber kann man nach verborgenen kleinen Stränden suchen, mit dem Boot rausfahren, durch die Altstadt streunen, die Burg erklimmen, im Amphitheater rasten, um Abends dann am Ufer entlang zu schlendern und in einem der Restaurants mit Seeterrasse Pizza zu essen. Ganz ehrlich, ihr Lieben? Hier ist es mindestens genau so schön wie am Gardasee oder an der Amalfi-Küste, nur ein bedeutendes Stück günstiger. Wer sich jetzt fragt, wie ich das meine, dem kann ich folgendes erzählen: Wir haben ein Apartment in erster Reihe zum See gemietet und dafür 30 Euro die Nacht bezahlt. Das muss man in einem der italienischen Lieblingsorte erst mal schaffen.

Wenn ich jetzt ins Berliner Grau blicke, wünsche ich mir oft einfach auf den Balkon in Ohrid treten zu können und dieses tiefe Seeblau zu sehen, in dem ich vielleicht besser eine Wand streichen sollte gegen die aufkommenden Gefühle von Tristesse. Ach Ohrid, wir sehen uns wieder – das ist ein Versprechen!


Bilder: Büro Für Alles

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