Lange habe ich tinder belächelt. Und den Kopf geschüttelt. Während ich normalerweise immer eher Early Adopter bin und jeden Quatsch mitmache, ging mir das hier entschieden zu weit. Nicht, weil ich prüde bin, sondern weil ich jemanden, um mit ihm ins Bett zu gehen, leider nicht nur äußerlich attraktiv finden und zufällig in meiner Nähe haben muss – sondern auch das mit der Intelligenz und der Chemie für mich ziemlich wichtig ist, auch bei One Night Stands. Ehrlich, ich habs auch ohne probiert, aber dann hab ich leider nur begrenzt Spaß an der Sache.

Nachdem ich mir das Ganze dann eine Weile von außen angesehen hatte entschloss ich mich, es doch mal zu probieren mit dem Swipen. Nur mal Gucken, nicht Anfassen. Oder? Ich gebe es zu, die App kann ziemlich süchtig machen. Statt instagram war auf dem Heimweg aus dem Büro gerne mal tinder offen, und ich schaute mich dabei gerne mal unsicher um, nicht dass Mister Dreitagebart mir direkt gegenüber sitzt. Ist nicht passiert, was aber nicht heißen soll, dass mir nicht trotzdem die absurdesten Geschichten mit tinder passiert sind. Und, ich muss es zugeben, das mit der Chemie hat irgendwie trotzdem geklappt hat, auch übers Smartphone… aber eben nur selten.

Die Wahrheit über tinder – 5 Facts über die meist gehypte App des Jahres

  1. tinder ist (mittlerweile?) ein ziemlicher Querschnitt durch die Gesellschaft. Die Quote an (äußerlich) interessanten Menschen ist hier nicht höher als bei einer Nacht im Club. Besser als im Club: Es kann dich keiner anlabern, von dem du nicht angelabert werden möchtest.
  2. tinder ist keine emanzipierte Geschichte. Da wische ich fröhlich nach rechts weil mir der Jüngling auf dem Bild echt gefällt, es matcht – und trotz aller Fortschrittlichkeit warte ich wie so eine schüchterne Ziege darauf, dass er den ersten Schritt macht, also zuerst „Hey“ schreibt. Es passiert: Nichts.
  3. tinder ist ein Dorf. Egal ob ich in Stuttgart bin, in meiner Wahlheimat Mainz oder in meiner Geburtsstadt, ein guter Anteil der interessanten Kerle hat mir gleich mehrere Facebook Freunde gemein. An sich nicht weiter schlimm, aber will ich wirklich mit jemandem matchen, der mit meinem großen Bruder befreundet ist – oder gar mit einem Bekannten von meinem Ex?!
  4. tinder ist keine Sex-App mehr. Jeder zweite, mit dem ich über tinder spreche, hat eine Geschichte von einem glücklich verliebten Pärchen zu erzählen, das über tinder zusammen gekommen ist. Schön für euch, aber das verwischt leider total die Erwartungen an dieses System: Verabredung heute Abend in der Bar – Sex oder Date? Date und danach Sex? Wie oder was?!
  5. tinder wird langweilig. Nachdem ich ein paar Wochen lang tatsächlich angefixt war, ein paar neue Bars kennengelernt habe und verschiedenen Menschen leider einen Korb geben musste, habe ich die App jetzt seit zwei oder drei Wochen nicht mehr angerührt. Grade juckt es mich wieder – aber der Erste, der in meinem Stream aufpoppt ist der Kerl, mit dem ich vor einem Monat ein Top-Date hatte. Ohne tinder. Siehe Punkt 3.

Was ich außerdem noch gelernt habe: Es gibt auch 2014 noch Menschen, die Color Key gut finden. Oder ihre Profilbilder in Ikea Krabb Spiegeln schießen. Und es gibt ernsthaft Männer, die mich nach einmal hin und her schreiben an zwei Tagen hintereinander mit „Guten Morgen Süße!“ begrüßen und sich dann wundern, dass ich sie komisch finde. Fazit: Es gibt nichts was es nicht gibt, auch nicht bei tinder. Im Endeffekt ist das Ganze manchmal echt ein kleiner Ego Push. Oder eben ein einziger Abturn. Dass man nach ein paar mal Swipen auf einmal ein Sex Date für den späten Abend hat, ist ein ziemlicher Einzelfall. Kann aber natürlich vorkommen…

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