Den Titel „Pferdemädchen“ trägt bei uns ja eigentlich Lisa. Ich habe mir noch nie viel aus den maijestätischen Vierbeinern gemacht. Doch als ich die wilden Pferde in der Namib entdeckte, frei und ungestüm, da wurde selbst mein Herz für diese Tiere erwärmt.

Klein-Aus Vista: Desert Horse Inn

Auf dem Weg in die Aus-Berge wurden wir wieder auf die Probe gestellt. Diese Etappe sollte etwa 400 km lang sein, wir fuhren früh morgens los, da wir von den Vortagen genau wussten wie lange man durch das Nichts braucht – und ein kleiner Zeitpuffer wurde uns immer wieder ans Herz gelegt.

Wegen der wilden (oder der toten) Tiere die man zwischendurch bestaunen musste, wegen der endlosen Kulissen die an meinem Beifahrer-Fenster vorbeizogen, wegen des Tankens – und es konnte unterwegs ja auch passieren einen Platten zu haben. Gedacht – bekommen! Wäre ja auch komisch gewesen, wenn wir auf diesen „Straßen“ Namibias davon verschont geblieben wären. Aber zum Glück meinte es das Schicksal gut mit uns: Wir kassierten unseren zerstörten Reifen kurz vor dem Ziel in der kleinen Stadt „Aus“ ein. Die dortige Tankstelle und zugleich die „In-Location“ der „Stadt“ empfing uns herzlich. Worte wurden nicht viele benötigt, und schon verschwand einer der Jungs unter unserem Isuzu. Gepumpt, geprüft, geflickt.

Und kaum eine Stunde später trafen wir ein, im Desert Horse Inn mit einer grandiosen Sicht auf die Aus-Berge und in die unendlichen Ebenen der Wüste.

Die Lodge, ebenfalls ein festes Glied der Gondwana Collection, umfasst 24 großräumige und geschmackvoll eingerichtete Zimmer mit Bad. Wir fühlten uns durch und durch wie in einem Western-Film mit unseren von der Fahrt staubigen Klamotten, mit dem Sand in den Augen – und mit den wilden Pferden, die hier überall auf Fotos festgehalten wurden. Davon hatten wir auf der Fahrt noch nichts gesehen und fast enttäuscht und erschöpft sackten wir für eine Minute in die Ledersessel der Bar mit dem gemütlichen Kamin.

Piet, der Herr des Hauses hatte uns schnell entdeckt und überzeugte uns mit seinem ungewöhnlichen Deutsch und dem Leuchten in seinen Augen, direkt wieder in unsere Autos einzusteigen. Um bei Tageslicht noch „Eagle’s Nest“ zu entdecken und dann zur Wasserstelle zu fahren, bevor sich die Pferde für die Nacht wieder in ihre Verstecke aufmachen.

Eagle’s Nest Lodge

Hier wohnt die Einsamkeit. Und würden wir noch mal in diese Region kommen würden wir definitiv eines der alleinstehenden Chalets buchen. Für zwei Nächte – um allein zu sein mit dem Mond, der Ferne und dem Lagerfeuer. Mein Gott, wie kitschig. Und wie wundervoll!

Die 8 Chalets befinden sich an einem Berghang etwa 15 Autominuten von der Rezeption im Desert Horse Inn entfernt. Jedes Chalet ist aus Naturstein zwischen mächtige Granitfelsen gebaut und mit Bad, Kochnische, Kamin und privater Veranda ausgestattet. Die Mahlzeiten können entweder im Restaurant des Desert Horse Inn serviert werden oder aber, und das finde ich noch viel besser, man kann Frühstücks- oder Grillpakete auch einfach mitnehmen.

Wilde Pferde in der Namib

Noch bevor ich anfangen konnte zu schmollen weil die Wüstenpferde einfach noch nicht zu sehen waren, schnappte sich Thies zwei Flaschen Cidre, nahm meine Hand und verfrachtete mich erneut auf den Beifahrersitz. Und dann ab zum von Piet beschriebenen „Wasserloch“! Die Pferde können am Rand der Namib etwa 20 Kilometer westlich von Klein-Aus beobachtet werden. Garub war eine kleine Bahnstation, die sich an der Eisenbahnlinie von Aus nach Lüderitz befand, welche 1906 fertiggestellt wurde.

Bei den wilden Pferde handelt es sich um eine Mischung aus Pferden der ehemaligen deutschen Schutztruppe des Ersten Weltkrieges, Pferden der Südafrikanischen Armee und weiteren Ausreißern, die sich nun zu einer einzigartigen Rasse verschmolzen haben.

Streng genommen handelt es sich bei den Pferden gar nicht um wirklich wilde Pferde, denn in Südafrika hat es wohl nie wilde Pferde gegeben. Die Pferde sind mit den Europäern importiert worden. Verrückt oder? Diese kräftigen und wunderschönen Überlebenskünstler!

Ohne künstliche Wasserversorgung würden die Tiere allerdings verdursten, da es in ihrer Reichweite keine natürliche Wasserquelle gibt. Bei Garub gab es ein Bohrloch, um damals die Dampflokomotiven der naheliegenden Bahnstrecke von Lüderitz nach Seeheim mit Wasser zu versorgen. Dieses Bohrloch ist also heute das überlebenswichtige „Wasserloch“, an dem sich tagsüber Pferde, Oryx-Antilopen, Wüstenfüchse und Strauße tummeln! Ein Spektakel, bei dem es sich wunderbar mit einem Sundowner in der Hand entspannen lässt!

Die Pferde leben übrigens tatsächlich wild und sollten daher weder gestreichelt noch gefüttert werden!

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