Erst neulich habe ich euch von einem absolut unglaublichen Erlebnis in einem Mercedes berichtet. Und auch heute geht es wieder um ein Fahrzeug der Marke mit dem Stern – ansonsten war aber eigentlich alles ganz anders. Über 40 Jahre liegen zwischen den beiden Fahrzeugen, dem historischen C111 aus den frühen 70ern und dem CLS63 AMG S der aktuellsten Modellgeneration, eine Zeit, in der  unglaublich viel passiert ist, sich gänzlich neue Technologien entwickelt haben und auch speziell in der Autobranche heute Begriffe an oberster Stelle stehen, die damals noch gar nicht existiert haben. Aus all diesen Gründen sollte man, ja kann man den C111 natürlich absolut nicht mit dem CLS vergleichen – weshalb ich das auch nicht tun werde. Vielmehr stehen beide Fahrzeuge derart überzeugend für sich alleine, dass auch jedes einen eigenen Artikel verdient hat, ohne sich an etwas anderem messen zu müssen.

Coupé oder Limousine?

Wie ich bereits bei meinem Bericht über den Audi S7 berichtet habe, hat Mercedes mit dem CLS eine neue Klasse begründet: Die der viertürigen Coupés, der scharf geschnittenen Limousinen. Der CLS sieht ein bisschen aus wie ein S-Coupé mit vier Türen, deutlich schnittiger und sportlicher als eine S-Klasse, aber dementsprechend natürlich auch nicht mit dem selben Luxus im Fond. Durch diesen Look, speziell aber durch das abfallende Heck spaltet der CLS die Gemüter. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Ich gehöre zu ersten Gruppe, bin ein Fan der ersten Stunde und halte vor allem die neueste Modellversion für sehr gelungen.

Die Front ist nun noch ein bisschen feiner, das ganze Auto wirkt weniger vulgär und mehr sophisticated als seine Vorgänger. Seitenschweller aus Aluminium, V8 Biturbo Schriftzüge hinter den Radkästen, eine brachialere Schürze und ein kleines AMG-Emblem im Kühlergrill sowie die Motorhaube, die sich muskulös über den V8 spannt, verraten Sportlichkeit. Spätestens am Heck mit Diffusor und den AMG-typischen 4 Endrohren sieht man dann, dass man sich mit diesem Benz besser nicht anlegen sollte – in welchem Fahrzeug auch immer man sitzt.

Nun noch ein Wort zur Farbe: Als ich hörte, dass mein Testwagen in Hyazinthrot daherkommen sollte, brach ich leicht in Panik aus. So ein geiles Auto und dann in ROT? Ich sah den Traum von tollen Fotos in sich zusammenbrechen und beruhigte mich damit, dass ich so wenigstens das schnellste Feuerwehrauto des Landes am Start hätte. Als ich den CLS dann aber bei Daimler in Stuttgart-Möhringen abholte, ging es mir gleich deutlich besser: Das Rot lag je nach Lichteinfall fast schon bei einem hellen Bordeaux-Ton, auf jeden Fall nicht bei Feuerwehr. Im Zusammenspiel mit den Alu-Elementen und den schwarzen Felgen gefiel mir die Farbgebung sogar von Anfang an sehr gut. Umso länger ich den CLS dann so hatte, umso besser gefiel mir die Farbe, mit jedem Gang zum Auto ein bisschen mehr. Ich würde mir den Mercedes-Benz CLS63 AMG S zwar persönlich in Tenoritgrau ordern, doch Hyazinthrot schafft es definitiv unter meine Top5 bei der Lackauswahl!

Im Innenraum dominiert Sportlichkeit und hochwertige Verarbeitung. Schwarzer Klavierlack, Carbon und Alu geben den Ton an. Besonderes Highlight: Die Mittelkonsole mit dem AMG-Knüppel sowie das Sportlenkrad mit Alcantara-Elementen. Trotz Coupé-Form hat man auch als ausgewachsener Kerl auf den Rücksitzen Platz und sitzt im ganzen Auto bequem in Ledersesseln. Besonders überrascht hat mich aber der Kofferraum: Der war unglaublich geräumig und wir hatten keinerlei Probleme, unzählige Klamotten und Schuhe für ein Fotoshooting einzuladen – und für Fotoequipment war immer noch Raum zu finden!

AMG steht für brutale Leistung – trotz Downsizing

Das Wort Downsizing wirkt in Zusammenhang mit einem dicken V8 natürlich immer ein bisschen unpassend. Doch wenn der V8 vor nicht allzu langer Zeit noch dicker war (nämlich 6,3 Liter), dann ist es eben doch Downsizing, wenn nun „nur“ noch 5,5 Liter Hubraum übrig sind. Doch was aus diesen 5,5 Liter herauskommt ist so brutal – es lässt keine Wünsche offen und keiner vermisst den größeren Sauger. 585 PS liefert das 5,5 Liter Aggregat von zwei Turbos befeuert. Eine Leistung, bei der alles zu spät ist. Schon unter 2000 Touren liegt das maximale Drehmoment von 800 Newtonmetern an und der Vortrieb hört – geschaltet mit AMG Speedshift – quasi nie auf. Schaut euch dieses Video an und ihr bekommt eine ungefähre Vorstellung, wovon ich spreche. Egal wie schnell man gerade fährt: Einmal voll auf Gas gelatscht knallt Sport+ dir einen Kickdown um die Ohren und das Auto schiebt sofort wieder, als müsste es dem Teufel persönlich entkommen. Das Geheimnis der wahnsinnigen Beschleunigung und des Handlings, das man eher bei einem Supersportwagen vermutet als in einem geräumigen Viersitzer: Der Allradantrieb 4Matic, der für die perfekte Verbindung zur Straße sorgt. All diese Komponenten machen den CLS63 AMG S 4 Matic zum schnellsten Serien-Benz von 0 auf 100. Mit einer Traumzeit von 3,6 Sekunden lässt man damit sogar den SLS stehen – der hat eben nur Heckantrieb!

Der Mercedes-Benz CLS63 AMG S begeistert – jeden!

Ich selbst war natürlich schon im Vorfeld begeistert. Ein solches Traumauto mal ein Wochenende lang auf Herz und Nieren zu prüfen, der Wahnsinn! Ich habe das Wochenende aber auch genutzt, um verschiedene Freunde und Bekannte mal mitzunehmen und so die Wirkung des German Musclecars zu testen. Das begann damit, das ich einen meiner besten Kumpels mitnahm, als ich von Stuttgart nach Freiburg fuhr. Der Kerl studiert Maschinenbau und ist nicht allzu leicht zu beeindrucken. Die 130 Kilometer, die wir gemeinsam auf der deutschen Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung zurücklegten, gingen aber auch an ihm nicht vorüber, ohne ihn zum Grinsen zu bringen. Diese Beschleunigung!

Als nächstes war dann mein Bruder dran, 20 Jahre alt und ein ähnlicher Autonarr wie ich. Als ich ihn mit grollendem V8 von der Schule abholte, da wurden die Augen aber groß! Mit ihm war ich dann auch das restliche Wochenende über noch viel unterwegs und er war sichtlich beeindruckt. Und definitiv ein bisschen böse auf mich, dass er nicht fahren durfte. Zum längst überfälligen Treffen mit meiner besten Freundin erschien ich dann auch im roten AMG und wir cruisten einfach ein bisschen. Zumindest bis sie dann auch angefixt war. „Flo, können wir bitte mal auf die Autobahn?“ – aber gerne doch! Stunden später erreichte mich dann eine SMS: „Danke für dieses Erlebnis!“.

Kommen wir zu einer anderen Generation: Auch meine Eltern wurden in den roten Renner geladen, um mal etwas besser motorisiert zum Familienessen zu fahren. Mein Vater wusste natürlich gleich, was ein AMG ist, meine Mutter hingegen eher gar nicht. Sie äußerte sich zwar kurz zur Optik, bevor sie einstieg („hui, ganz schön dicker Schlitten!“), war aber nicht sonderlich beeindruckt. Das änderte sich mit einem Schlag, als das Straßenschild das Ortsende verriet, ich per Lenkrad-Paddle schnell in den zweiten Gang runterschaltete und in einer gefühlten Millisekunde bei Tempo 100 angekommen war. Da schrie dann auch Mutti auf dem Rücksitz! Angekommen in Opa’s Einfahrt konnte dann auch dieser seine Begeisterung nicht verbergen. Er drehte verschmitzt lächelnd mehrere Runden um den CLS und wollte unbedingt mal kurz auf dem Fahrersitz Platz nehmen und natürlich den V8-Sound hören. Davor, mitzufahren, hatte er dann aber doch Angst!

Fazit – ich will dieses Auto!

Natürlich ist der CLS63 AMG S unerreichbar. Natürlich ist er unvernünftig, sowohl in der Anschaffung, als auch im Unterhalt. Und natürlich bin ich heute wieder mit der Bahn ins Büro gefahren. Aber hach, man wird ja noch träumen dürfen! Und immerhin würde es völlig reichen, einen CLS zu haben – bei all den Supersportwagen da draußen braucht man ja immer noch ein zweites Auto, zum Einkaufen oder falls man mal mehr Menschen mitnehmen muss als nur einen.

Und wenn man das Gaspedal durchtritt, den Schub voll auskostet und der V8 eine Sinfonie aus den vier Rohren bläst, ja dann ist eh jede Vernunft vergessen, dann ist das Liebe!

Fotos von Simon Razu Photography 

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