Ich mag das. Wenn man in einer Stadt schon das ein oder andere Mal gewesen ist und dann nicht mehr den üblichen Druck eines Touristen hat, möglichst alles zu sehen, was man so aus den Reiseführern und von den Postkarten der Freunde kennt. Hat man diese Punkte erst einmal abgehakt, kann man sich voll drauf konzentrieren, die Zeit zu genießen und sich auch mal anderen Gegenden zu widmen.

Die perfekte Basis für mich war in diesem Fall das geniale Ace Hotel in Shoreditch. Ich war Freitag für die Premiere der Movement Kurzfilmreihe in der Stadt, die das AnOther Magazine gemeinsam mit Ford umgesetzt hatte und blieb dann einfach bis Sonntag, um etwas Zeit in der englischen Hauptstadt zu verbringen. Motiviert vom durchdachten Hipster-Flair und dem unglaublich guten Essen des Hotels war ich Samstag dann in dessen direkter Umgebung unterwegs und erkundete Shoreditch, von der berühmten Brick Lane bis zum quirligen Broadway Market.

Wer London so erleben möchte, als würde er durch einen perfekten Tumblr-Blog scrollen, dem sei genau dies ans Herz gelegt. Britischer Streetstyle soweit das Auge reicht, tolles Essen an jeder Ecke und unzählige charakteristische Häuschen und Pubs machen die Gegend aus, die von jungen Menschen rund um die Uhr bevölkert ist und so unglaublich viel Atmosphäre bietet. Ob zum Shoppen, zum Essen oder einfach nur zum Bummeln, jeder wird hier fündig und erlebt im Grunde genommen eine konzentrierte Version dessen, was britische Stilkultur ausmacht. Unzählige Momente, die sich auf der Straße abspielen, wirken wie die nächste Kampagne von Ben Sherman, Fred Perry oder Dr. Martens und trotzdem finde ich Shoreditch weit weniger aufgesetzt wie beispielsweise Williamsburg. Shoreditch is real!

 

Tower Bridge zum Sonnenuntergang

So ganz ohne typische Wahrzeichen wollte ich dann aber doch nicht und so spazierte ich gegen Abend einfach los in Richtung Themse. Dabei durchquerte ich auch die moderne und architektonisch äußerst ansprechende Gegend rund um den Gherkin und so wurde mir auf einer Strecke von nur wenigen Kilometern bewusst, wie vielseitig und doch konsistent London eigentlich ist. Von alten Backsteingebäuden mit urigen Pubs bis zu modernsten Bürokomplexen aus Glas gibt es in London auf teilweise engstem Raum alles und doch wird das eine durch das andere nie gestört. Vielmehr – und damit sind wir dann wieder bei der britischen Kultur, gehen die Geschäftsleute aus den modernen Gebäuden nach der Arbeit oft schnurstracks in alte, verbrauchte Pubs, um dort zum Feierabend ein Bierchen zu schlürfen.

Am Tower of London und der Tower Bridge angekommen merkte ich dann wieder einmal, wie sehr eine Stadt vom Wasser lebt. Ob Fluss oder Meer, nichts gibt einer Stadt mehr Flair und wenn dann noch bei strahlend blauem Himmel die Sonne am Horizont beginnt, alles in goldenes Licht zu hüllen – traumhaft!

2015 – die Welt wird zum Dorf

Neulich hat mir eine Frau, die ungefähr dreimal so alt war wie ich selbst, von der tollsten Reise ihres Lebens erzählt. Ich möchte nicht auf Details eingehen, Fakt ist aber, dass mir etwas klar wurde: Unsere Generation kann unglaublich dankbar sein für all die Möglichkeiten, die wir bekommen. Mit 24 habe ich schon mehr von der Welt gesehen, als die meisten Menschen der Generation meiner Großeltern und das auf völlig einfache Weise. Die Welt wird zum Dorf, Fliegen ist längst kein Wunder mehr und unsere Einstellung zum Reisen (inklusive langer Wartezeiten, Stunden im Flieger und all dem Stress) extrem locker. So habe ich in London eine holländische Freundin wieder getroffen, die ich auch New York kenne. Zum Abschied meinte sie dann zum Spaß, dass wir uns das nächste Mal bestimmt auf einem anderen Kontinent wiedersehen – gar nicht so unwahrscheinlich!

Kommentare