Die Pariser Musikerin Mina Tindle hat beim diesjährigen Kulturufer mein Herz erobert. Mit einem kleinen Interview möchte ich sie euch darum vorstellen :)

Die Musik geht der 31-Jährigen bis in die Fingerspitzen. Alle Bilder: Lena Reiner

Was bedeutet Musik für dich?

„Es ist ziemlich seltsam, das zu beantworten, weil ich ja seit fünf Jahren vom Musikmachen lebe. Eigentlich sehe ich Musik nämlich als etwas, das allen gehört und dass man macht, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun.“

Und wie hast du zur Musik gefunden?

„In meiner Familie singen alle, also privat, einfach als Angewohnheit. Meine ersten Lieder habe ich mit 21 zu schreiben begonnen.“

Mina Tindle erschafft auf der Bühne ihre eigene kleine Welt.

Was ist zuerst da, wenn du ein Lied schreibst: eine Stimmung, eine Melodie oder der Text?

„Das kommt ganz darauf an. Der Text ist nie zuerst da, aber irgendeine Stimmung oder eine Melodie, manchmal ist es auch nur ein Trommelrhythmus, oft irgendwas auf der Gitarre. Dann spiele ich einfach drauf los und singe wirres Zeug. Das nehme ich dann auf und höre es mir in Ruhe an und meist finde ich dann etwas, das mir total gut gefällt. Mal ist es eine einminütige Passage, auf der ich aufbaue und mal sind es auch bloß drei Sekunden, die mich richtig überzeugen.“

Gibt es eine Schublade für dich und deine Musik, in die du dich gerne stecken lässt?

„Ich finde interessant, was man in Deutschland ‚Singer-Songwriter‘ nennt. In Frankreich gibt es das gar nicht als Genre. Auf mich wirkt das wie eine ziemlich undefinierte, freie Sache. Aber eigentlich fühle ich mich in keiner Schublade wirklich wohl. Das liegt nicht daran, weil ich etwas Besonderes sein mag, sondern einfach, weil ich nicht weiß, was mir als Nächstes einfallen wird.“

Hochkonzentriert wirkt sie auf der Bühne und beinahe wie ein kleines Mädchen.

Du bist Französin und schreibst ganz viele Texte auf Englisch. Wie kommt das?

„Ich habe ein paar Jahre in den USA gelebt und dort meine erste Band gegründet. Die Musiker waren Amerikaner, wir haben uns auf Englisch unterhalten und so war es irgendwie klar, dass ich auch die Musik auch englisch texte. Als ich dann das fertige Album angehört habe, habe ich aber gespürt, dass ich mehr in meiner Muttersprache schreiben möchte. Doch das Englische behalte ich mir bei, weil jede Sprache andere Möglichkeiten und Bilder bietet – es ist wie die Wahl zwischen Wasserfarbe und Acryl etwa. Und ich glaube, mein Englisch ist zwar ein wenig unbeholfen, aber das auf eine schöne Art. Ich sage Dinge vielleicht anders, als es ein Muttersprachler tun würde und so entstehen neue Bilder.“

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