Ich weiß nicht wie es euch geht, aber in letzter Zeit fühle mich immer mal wieder: Alt. Im positivsten Sinne, denn: Bei einem Besuch in meinem ehemaligen Lieblingscafé in Mainz bin ich – neben der Inhaberin – definitiv die Älteste. Verschlägt es mich – selten genug – mal wieder in einen Nachtclub oder auf eine WG-Party, bin ich definitiv die Älteste. Selbst in meinen Flugcrews zähle ich – ungewohnt genug – so langsam nicht mehr zu den jungen Hüpfern. Und wenn ich mir die so anschaue, dann finde ich das gar nicht so schlimm.

Und das liegt nicht daran, dass ich per se irgendetwas gegen die jetzigen Erstsemester hätte, neidisch wäre oder sie mich besonders nerven. Im Gegenteil. Ich merke nur einfach: Ich hätte darauf keinen Bock mehr. Das klingt jetzt vielleicht furchtbar frustriert, ist aber überhaupt nicht so gemeint – wie gerne habe ich früher rumprobiert, ausprobiert, neu definiert, auch mal rebelliert, war spontan, ein Koffernomade und unverbindlich; das macht(e) es ja auch aus. Aber heute: Heute bin ich froh, diese Phase gehabt zu haben und jetzt in meiner Wohnung zu sitzen, mit einer Couch und Beistelltischen und frischen Blumen auf dem Tisch. Wissend, wer ich bin und auch so ungefähr, wo ich hin will.

Wenn ich jetzt also „Die Jugend von heute“ betrachte – von der ich, zugegeben, auch nur ein paar Jahre entfernt bin – dann bin ich selten wirklich befremdet. Viel eher denke ich: Ach, das geht auch rum, keine Sorge. Versuche nicht den Kopf zu schütteln über die lautstarke Schwärmerei über den neuen Dozenten. (Been there, done that.) Und befinde mich noch in der dankenswerten Phase, in der man wenigstens noch alles versteht was in der Straßenbahn im Vierer neben einem besprochen wird. Anders als diese Damen:

Das ist ja Dienstagnachmittagsunterhaltung ganz nach meinem Geschmack. Größter Fan bin ich von der Dame in der Mitte mit dem strengen Blick. „Jetzt kommt Schwesti!“ Aber haben sie nicht auch irgendwie Recht die Damen? Versteht ihr noch jedes Wort, dass kurz vor der Wahl zum Jugendwort des Jahres steht?

Brudi, Bambus und Discopumper: Der Jugendslang 2016

  • Brudi = Okay, das sollte uns mittlerweile wirklich allen ein Begriff sein. Bruder, Bro, Brudi.
  • bambus = Total cool. Das ist echt bambus. Hört hört.
  • Smombie = Kennen wir alle, weil es letztes Jahr Jugendwort geworden ist – und steht für Smartphone-Zombie.
  • merkeln = Ganz schön politisch-pseudo-informiert, diese Jugend: Merkeln steht tatsächlich für Leute, die unentschlossen scheinen und selten Stellung beziehen!
  • shippen = Da musste ich wirklich kurz nachdenken – steht für „eine Beziehung haben“ und leitet sich aus dem englischen Wort relationship ab. Heißt also in 2000-er Deutsch: Miteinander gehen.

  • Alpha-Kevin = Ober-Idiot.
  • Discopumper = Geht nur deshalb zum Sport, um abends Girls (!) abzuschleppen.
  • Orav = Ohne Rücksicht auf Verluste. Wird gern als Wort ausgesprochen.
  • Swaggetarier = Jemand, der sich nur aus Imagegründen vegetarisch ernährt.
  • krimmen = Ich sag ja, die sind gebildet: Dieser Begriff steht tatsächlich dafür jemandem etwas wieder weg zu nehmen, das man ihm vorher geschenkt hat!

Na, Omi, gar nicht so schlimm, oder? Noch mehr Tipps in Sachen Jugend-Bildung hat Frangelico, der leckere Haselnuss-Likör mit 20 Umdrehungen aus dem Piemont, der auch das Kaffeekränzchen oben gesponsert hat:

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