Ich kann es schon gar nicht mehr beschreiben, wie ich all das empfinde. Wie oft ich mich in den letzten Wochen dabei ertappt habe, Buchstaben im Kopf zu sortieren. Sätze im Mund vorzuformulieren, um sie dann später, bei einer entspannenden Tasse Tee festzuhalten. Natürlich mit beschwingt über die Tasten tanzenden Fingern und einem wachen Verstand. Es ist nicht schwer zu erraten, dass es diese entspannende Tasse Tee bis jetzt nicht gab, und der fröhliche Tanz meiner Finger über die Tastatur ist auch viel seltener geworden. Es fällt mir wahnsinnig schwer, das Tippen eines Blogartikels als Priorität ganz oben auf die Liste meines neuen Alltags zu setzen, während da doch die Fläschchen ausgekocht werden müssen, der Wäscheberg im Trockner wartet, Neon mit erwartungsvollen Augen in seiner Wippe sitzt und meine Augenlieder von Stunde zu Stunde schwerer werden.

Und wenn ich dann so da sitze, am Abend nach einem langen und doch viel zu kurzen Tag, meine To-Do-Liste anschaue und in mir die Unzufriedenheit leise anklopft, dann schlag ich ihr die Tür mit voller Wucht wieder zu und sage mir: Ey du hast vor vier Monaten einen Menschen auf die Welt gebracht! Es ist okay müde zu sein. Es ist okay die Dinge auf morgen zu verschieben, auch wenn das nie meine Art war. Aber was mal war ist jetzt ohnehin gestern. Die Uhren wurden an jenem Oktobermorgen neu gestellt. Wenn ich unseren kleinen Sohn zwischen 6 und 7 Uhr in unser Bett hole, dann ist es egal wie heavy die Nacht war oder wie viele To-Dos da heute auf mich warten um „eventuell“ erledigt zu werden. Denn dann starrt es mich an, dieses kleine Wunder mit wachen, dunkelblauen Augen. Diese Stunde, in der wir einfach nur nebeneinander liegen und uns anstarren, ist in den letzten Wochen zu meinem Lieblingsritual geworden.

„Come with me, where dreams are born, and time is never planned.“
– Peter Pan.

Es sind diese Augenblicke die uns niemand nehmen kann. Dann, wenn Neon sein Köpfchen zu seiner müden Mama dreht und ich mich irgendwo zwischen Tiefschlaf und Morgenmüdigkeit befinde aber mich immer wieder zwinge die Augen aufzumachen um in dieses fröhliche, erwartungsvolle Gesicht zu blicken. Dann flutet mich die Dankbarkeit. Schon verrückt, wie fragil das Leben sein kann. Wie mein Herz von jetzt auf gleich zu rasen beginnt, wenn ich sein Weinen höre und es droht in Tausend Teile zu zerbrechen wenn sich diese Augen mit Tränen füllen. Wie viele Emotionen einen überkommen können, wenn man jetzt die Verantwortung für so etwas Wundervolles tragen darf. Wenn man sich „Mama“ nennen kann. Und wenn sich dann dieses einmalig, freche Grinsen von den Mundwinkeln bis in seine Augen breit macht, dann bin ich mir sicher, dass wir das alles doch gar nicht so schlecht machen.

Dann überkommt mich pures Glück und eine Menge Stolz. Neon, du bist uns ganz schön gut gelungen! Welche Charakterzüge du schon mitgebracht hast und welche Gesten du uns in diesen vier Monaten schon zeigst. Und wie du mit jedem Tag wächst. Als Kind musste ich leise in mich hinein kichern, als Oma sagte, ich sei seit dem letzten Monat ja schon wieder gewachsen. Heute weiß ich, dass sie recht hatte und ich sehe es bei dir, beinahe über Nacht. Und mit jedem Zentimeter wachsen wir mit dir. Wir wachsen über uns hinaus, und ich wusste gar nicht, wie weit sich ein ausgewachsenes Herz für einen so kleinen Menschen ausdehnen kann. Und dann sind da diese Wachstumsschmerzen, die ich als Kind schon hatte, und gegen die keine Salbe hilft. Dieses Mal kommen sie von ganz tief innen, denn es geht alles so schnell.

„Motherhood is a choice you make everyday, to put someone else’s happiness and well-being ahead of your own, to teach the hard lessons, to do the right thing even when you’re not sure what the right thing is…and to forgive yourself, over and over again, for doing everything wrong.“ – Donna Ball

Und wenn du in meinen Armen ruhig wirst am Abend, ich dich fest halte, und du deine kleinen Hände fest ineinander faltest und deinen müden Blick fest auf mein Gesicht richtest, weiß ich, dass wir die Welt für dich sind – und dann steht sie für ein paar Sekunden für uns still. Wir sind dein Anker und dein sicherer Platz. In diesen Armen lässt du es dann endlich zu, du lässt die Müdigkeit siegen, ein Kampf den wir jeden Abend über Wochen zusammen bestritten haben. Du gewöhnst dich langsam an unsere Welt und bald erlebst du deinen ersten Frühling. Ich bin verdammt stolz auf dich kleiner Mann. Mein Leben ist immer noch wahnsinnig schön, ganz bestimmt sogar noch schöner – wenn es auch anders geworden ist. Wir haben eine neue Heimat in einem kleinen Menschen gefunden, dessen Namen wir schon kannten, lange bevor es ihn gab. Schön, dass du da bist Neon!


Die Bilder sind durch die Augen und Kamera von Nina Stiller entstanden. Vielen dank für diese Momentaufnahmen und für deine Zeit.

Ihr werdet auch in Zukunft das ein oder andere Bild von Neon bei uns hier im Blog, auf Facebook oder Instagram finden. Wir sind uns sicher, dass wir so einen Teil unseres Lebens festhalten können und uns eines Tages über diese Gedanken, Erinnerungen und Fotos freuen, und dass sich Neon nie für die von ihm veröffentlichten Bilder schämen muss.

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