An der Haustür klopfen wir nochmal vorsichtig unsere Hosen, Shirts und Schuhe ab, bevor wir eintreten. Ein paar Erdreste rieseln immer noch von uns ab. Ich bin gerade vom Heggelbachhof zurückgekehrt, einer Bauernhofgemeinschaft nicht weit entfernt von meiner Heimat und dem wunderbaren Bodensee. Den hinter mir liegenden Tag kann ich in meinen Knochen spüren, in meinen Beinen, meinem Rücken. Aber vor allem kann ich ihn riechen. Also atme ich den Tag noch mal tief ein, habe den Geruch von frisch gemähtem, feuchten Futtergras in der Nase und entdecke noch Spuren der trockenen Erde vom Sellerie-Feld unter meinen Fingernägeln. „Macht nicht’s„, denke ich und falle ziemlich müde, aber auch mit viel Ruhe im Kopf aufs Sofa.

Demeter-Landwirte für einen Tag

Thies und ich haben uns einen Tag als Landwirte versucht. Haben Laptop gegen Heugabeln eingetauscht, haben Schweineställe ausgemistet, Rinder gefüttert und diesen mächtigen Tieren in ihre Kulleraugen geschaut. Für diese Erfahrung sitzen wir bereits kurz nach vier Uhr nachts auf dem Weg zum Hof im Auto und kommen im Morgengrauen an, als der Tag noch nicht in Schweiß, sondern in sanftes Gold getunkt ist. Die Wettervorhersage kündigt im Radio den heißesten Tag des Monats an, doch wir wollen nicht schon stöhnen, bevor wir überhaupt mit der Arbeit losgelegt haben. Trotzdem denke ich kurz und wehmütig an meinen kühlen Platz am Schreibtisch samt Ventilator und Eiswürfeln im Glas. Aber jetzt heißt es: Rein ins „Vergnügen“! Schließlich ist es spannend zu erfahren, wo die Produkte, die wir tagtäglich aus unserem Obst- und Gemüsefach fischen, herkommen. Um diese Erfahrungen zu sammeln und unseren Lebensmitteln auf die Spur zu gehen, wurden wir von EDEKA auf den Heggelbachhof eingeladen. Unser Tag und seine Erlebnisse sollen zum Inhalt des Online-Magazins „#ZukunftLeben“ der EDEKA Südwest beisteuern. Das Magazin stellt Menschen in den Mittelpunkt, die Nachhaltigkeit leben und Zukunft gestalten.

Zu ihnen gehören die Betreiber und Mitarbeiter der Hofgemeinschaft Heggelbach, wo wir an diesem Tag mit anpacken dürfen. Die Gemeinschaft wurde bereits 1985 gegründet und umfasst 100 Hektar Acker, 70 Hektar Grünland, 48 Milchkühe und 120 Schweine. Kurz: Land und Bauernhofmotive so weit unsere Augen reichen.

Was hier aus dem Boden kommt, ist uns möglicherweise schon mal bei einem unserer Einkäufe im Stadtgetümmel begegnet: seit 2008 baut der Hof nämlich bereits für „Unsere Heimat – echt & gut“ Kartoffeln, Sellerie, Zwiebeln und Zuckermais an. Was „unseren“ Hof darüber hinaus besonders macht, ist das „Demeter“ im Namen.

Tatsächlich ist Demeter e.V. der älteste Bioverband Deutschlands und dient sich anschließenden Höfen mit seinen strengen Richtlinien als Wegweiser in den Produktionsabläufen. Alle Demeter-Landwirte bewirtschaften ihre Felder biodynamisch und stellen eine lebendige Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Das heißt, dass sorgsam mit den natürlichen Ressourcen und der Landschaft umgegangen wird und sich jeder Hof als Organismus begreift, in dem jeder Bestandteil den anderen braucht: Landwirte halten zum Beispiel nur so viele Tiere, wie sie mit ihrem Land auch ernähren können und nutzen den entstandenen Dung wieder für die Bodenfruchtbarkeit. So wird Nachhaltigkeit geschaffen – ein Aspekt, der mir beim Einkauf die Extra-Euro wert sind.

Staunen, schuften und wertschätzen

Unser Tag auf dem Bauernhof hat es in sich. Die Kühe müssen mit frischem Gras versorgt werden, die Ställe ausgemistet. Die Heugabel liegt nach einer Weile des konstanten Hochhievens schwer in meiner Hand und der Schweiß steht mir auf der Stirn. Dabei ist es noch nicht mal Zeit für die Mittagspause. Das Leben als Landwirt ist definitiv kein leichter Job. Und trotzdem liegt in all der Anstrengung für mich viel Schönes: mal wieder die Hände nehmen, mal wieder schmutzig werden, mit jedem Griff ein direktes Ergebnis der eigenen Arbeit sehen und Wert schaffen. Hier wird deutlich, was man beim komfortablen Gang durch den Supermarkt leicht vergisst: es ist die Natur, die uns unsere Lebensmittel schenkt und es ist nicht nur ganz schön viel Arbeit nötig, um eine Ernte einzuholen. Man muss auch hinter dieser Tätigkeit stehen, um sie gut und gerne zu machen.

Nachdem wir am Hof und bei den Tieren mitangepackt haben, schwingen wir uns auf den Traktor und fahren mit Azubi Felix auf die Felder. Er lässt uns am Sellerie-Feld runter hopsen und wir gehen auf Tuchfühlung: auf allen Vieren begutachten wir die Pflanzen und staunen. „Nehmt ruhig die Hände“, ist für uns längst zum Satz des Tages geworden und so verzichten wir auf Hacke und Schaufel, lockern bloß ein bisschen mit den Fingern und schon lässt sich der Sellerie bei trockener Erde ganz einfach von Hand aus dem Boden ziehen.

Auf dem Rückweg stadteinwärts liegt mir noch der Duft des frischen Selleries in der Nase. Ich bin dankbar für die Erfahrungen des Tages. Manchmal, da muss man die Hände nehmen, um etwas so wirklich zu begreifen. Wir werden den Lebensmitteln im Supermarkt jetzt mit einem wissenden Lächeln begegnen.

5 Dinge die ich bei meinem Tag auf dem Bauernhof fürs Leben gelernt habe + Win!

In meinem Gastartikel auf zukunftleben.de könnt ihr noch ein paar mehr Eindrücke zu unserem Tag auf dem Bauernhof nachlesen und erfahrt was ich an diesem Tag fürs Leben gelernt habe. Außerdem gibt es dort ein kleines Gewinnspiel für euch. Mit etwas Glück dürfen ihr bei einem Zeppelin-Flug (30 Minuten für 2 Personen) die einzigartige Landschaft rund um den Bodensee aus der Vogelperspektive erleben.

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