2017 war für mich persönlich ein ganz besonderes Jahr. Warum? Ein großer Wunsch ging in Erfüllung und ich habe sechs Monate on the road, im Van, verbracht und bin gemeinsam mit meinem Freund 17.000 Kilometer durch Europa gefahren. Alleine sind wir mit diesem Traum nicht, im Gegenteil: #Vanlife ist in aller Munde, Instagram ist voll mit „Transformations“, Umbauten und Ausbauten der jeweiligen Autos, und Fotos von einem Leben in vermeintlicher Freiheit. Oft wurden wir im Vorfeld und auch während der Reise gefragt, was wir einpacken würden und wie wir uns für mehrere Monate ausrüsten, ja, was wirklich wichtig ist bei so einem Unterfangen. Das verrate ich gerne, aber vorab sollte man sich noch eine sehr wichtige Frage stellen.

Was Leben im Van bedeutet

Die erste Frage, die sich jeder, der mit der Idee für eine Weile im Van zu leben, spielt, stellen sollte, ist: entspricht die Realität davon dem, was ich suche und wirklich will, oder gefällt mir vor allem das Image und die Idee davon?

Fakt ist: der Umzug auf wenige, rollende Quadratmeter (wenn man sich jetzt nicht ein riesiges Wohnmobil anschafft) bedeutet Verzicht. Der Kleiderschrank schrumpft auf ein Minimum zusammen und beinhaltet dann vor allen Dingen funktionelle und praktische Kleidungsstücke. Ähnlich ist es mit allen anderen Utensilien, die sonst die Wohnung füllen. Die gute Nachricht? Man braucht letztlich bedeutend weniger, als man glaubt. So ging es auch mir selbst. Abstriche macht man aber auch ganz grundsätzlich beim „Komfort“. Ein voll ausgestattetes Badezimmer gibt es nicht mehr, eine Küche zwar schon, aber auch die in abgespeckter Form. Was dazu kommt? Wenn zwei Menschen auf engem Raum zusammen leben, erhält auch das Thema „Ordnung“ und „Struktur“ eine neue Bedeutung. Chaos macht sich nicht wirklich gut auf einer Handvoll Quadratmeter. Ein weiteres Thema, das eine neue Dimension erhält? Der Umgang mit Konflikten. Einfach aus dem Weg gehen, funktioniert nicht mehr wirklich. Das Leben im Van lehrt einen nicht nur Lektionen über den anderen, sondern vor allem auch sich selbst, die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse. Das Schöne? Wer nach einer so langen, gemeinsamen Reise immer noch gemeinsame Wege gehen will, hat gute Chancen – gab uns ein älteres Camper-Paar in Griechenland mit auf die Reise. 

Was das Leben im Van vor allen Dingen nicht ist: immer Sonnenschein – sowohl Drinnen (hallo, Leben auf engstem Raum, falsche Vorstellungen und versagende Technik!), als Draußen (hallo Dauerregen in Schottland!), ein Postkartenleben (das Leben im Campermodus ist manchmal ganz schön matschig, schmutzig, schwitzig, zerstochen, kalt oder zu heiß) im glänzenden Instagramformat.

Was man dafür aber bekommt, ist der größte Vorgarten/Esszimmer von allen, ein Freiluft-Badezimmer, hervorragende Aussichten zum Aufwachen, Meeresrauschen zum Einschlafen, viel Sauerstoff und Bewegung, endlich mal wieder Zeit fürs Wesentliche (wie sich selbst und gute Bücher!), ein Gefühl von Freiheit, das mit jedem rollenden Meter größer wird und unendlich viel Platz für Gedanken. Die zwei zentralen Fragen, die wir uns am Tag stellen mussten? Wo wollen wir schlafen und was möchten wir essen? Kein Vergleich zum Alltag zurück in Berlin, der viel mehr Trott parat hält.

Die Essentials für ein Leben mit Van

Ihr seid nicht abgeschreckt, sondern immer noch überzeugt, dass #vanlife genau das richtige für euch ist? Dann sind das die Dinge, die ihr brauchen werdet:

  • Der Van: Wer hätte es gedacht? Wenn ihr nicht über den erweiterten Familienkreis an einen Bus herankommt, werdet ihr euch selbst auf die Suche nach dem passenden Gefährt machen müssen. Die Modelle und Varianten sind dabei so zahlreich, dass einem etwas schwindelig werden kann. Hilfreich: ein Budget festsetzen. Wie viel Geld habt ihr für ein Auto übrig und wie viel könnt ihr noch in etwaige Um-oder Ausbau investieren? Diese erste Entscheidung kreist die Auswahl schon enger ein. Zweite Grundüberlegung: was wollt ihr? Braucht ihr unbedingt einen Retro-Kult-Van und wenn ja, seid ihr bereit dafür (mitunter) extra zu bezahlen (viele Händler haben den Hype um Oldtimer wie VW T1, T2 oder T3 verstanden) und seid euch im Klaren darüber, dass ihr dafür am besten selbst etwas von Mechanik und vom Schrauben verstehen solltet? Wie viel Platz soll es sein? Seid ihr die Menschen fürs Wohnmobil mit mehr Komfort wie einem Bad? Braucht ihr den Platz, den ein Sprinter bietet? Wollt ihr aufrecht stehen können? Oder seid ihr mit wenig Platz, dafür mehr Fahrkomfort und verlässlicher Technik glücklich? Wir haben uns für den letzten Punkt entschieden und einen VW T4 gekauft.

  • Ausbau: auch hier gibt es gefühlte 1000 Möglichkeiten. Am besten scrollt man sich mal eine Weile durchs Internet und Instagram, um eine Vorstellung zu bekommen. Entweder man kauft einen Bus mit (Hersteller-) Ausbau oder kümmert sich selbst darum. Dann gilt es noch zu entscheiden, ob man eine dauerhafte Transformation möchte, oder doch lieber eine Variante, die den bewohnbaren Van mit ein paar Handgriffen wieder in den Urzustand eines Transporters mit Ladefläche oder Sitzbänken verwandelt. Auch hier haben wir uns erstmal für letzteres entschieden.
  • Stromversorgung mit Solar: Uns war es wichtig autark zu sein und über ausreichend Strom zu verfügen, um Handys (gerade zur Navigation), Kameras und Computer laden zu können. Außerdem wollten wir unseren Kühlschrank betreiben und Licht haben. Deshalb haben wir auf dem Dach ein 100 W Solarpanel und im Inneren Laderegler und Batterie installiert.
  • Kühlschrank: Wir wollten unterwegs auch nicht auf die Möglichkeit verzichten unsere Lebensmittel und Getränke kühlen zu können, um so auch mit Vorräten unterwegs zu sein. Die Entscheidung fiel auf ein Kompressormodell (statt eines Absorbers), da diese ein bessere Kühlleistung haben und energieeffizienter sind.
  • Vorhänge: Für denn Fall, dass der Van Fenster hat, sind für mich Vorhänge essentiell. Unser T4 hat rundum welche und gerade zum Schlafen bietet Stoff nicht nur Regulierung von Helligkeit, sondern auch „Schutz“, wenn nicht jeder gleich in den Innenraum sehen kann. Kaufen oder selbst nähen? Wir haben zum Glück tatkräftige Unterstützung meiner Mutter bekommen.
  • angenehmes Licht: die Auswahl des Lichtes für den Innenraum war für mich von Anfang an ein Thema. Natürlich hat der Bus per se schon eine Beleuchtung, hier wollte ich es aber vor allen Dingen gemütlich haben und schön anzusehen. Eingezogen ist eine Lichterkette mit extra-warmem Licht. Kein Anblick ist Abends schöner gewesen, als das eigene, wohlig leuchtende Zuhause. Nirgends liest sich ein Buch kuschliger als im Bus mit offener Tür zum Meer hin.

Letztlich könnte man so eine Liste noch endlos fortsetzen, aber wichtig ist vor allem, dass man sich selbst Fragen stellt: was wollt ihr? Was ist euch wichtig? Worauf könnt ihr auf keinen Fall verzichten? Solltet ihr konkrete Fragen haben, dann stellt sie gerne in den Kommentaren. Ansonsten ist das wichtigste für eine Reise im Bus: Mut, es einfach zu machen. :)

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