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Ende letzten Jahres habe ich mich aus einer Laune heraus bei uberding beworben, umso erstaunter
war ich als Mia mich einige Zeit später kontaktierte und fragte, ob ich für sie in den Oman fliegen
möchte. Nachdem Reisen das sind, wofür ich am nach Essen am meisten Geld ausgebe, hab ich
mich natürlich nicht zwei Mal bitten lassen und sagte zu.

Als ein Kind des Internets, welches ich nunmal bin, habe ich natürlich zu aller erst den Oman
gegoogelt – ernüchternd wie sich rausstellte. Man findet nicht wirklich individuelle Reiseinfos oder
Berichte über den Oman als Reiseziel. Klar, die normalen Seiten auf denen man Hotels und
Pauschalreisen buchen kann, aber so wirklich ein Bild kann man sich daraus nicht machen.
Also setzte ich mich mit wenig Vorstellungen in Frankfurt in den Flieger. Enttäuscht wurde ich
nicht, das kann ich euch schonmal vorweg nehmen. Die Landschaft ist trotz ihrer Kargheit und
Monotonie nach jeder Kurve anders und die Menschen stets gut gelaunt und hilfsbereit.

Der Oman als Reiseziel

Nachdem es für mich die erste Reise in ein muslimisches Land war, hatte ich im Bezug auf die
Mentalität der Menschen nur wenig Vorstellungen, aber nachdem etliche Bekannte mir immer
wieder von der Gastfreundschaft der Araber berichtet hatten, ging ich einfach mal davon aus, dass
es hier keinerlei Probleme geben würde. Bereits am Flughafen wurde ich von der Höflichkeit der
dort arbeitenden Menschen förmlich überrumpelt. An jeder Ecke wird man mit einem freundlichen
Lächeln begrüßt und alle hatten trotz der frühen Uhrzeit sehr gute Laune.

Die knapp 4,4 Millionen Einwohner des Omans werden seit 1970 vom Sultan Qabus Ibn Said
regiert und sind zu 75 Prozent Moslems. Auch wenn der Oman ein muslimisches Land ist, werden andere Religionen von der Bevölkerung vollständig akzeptiert. Innerhalb der letzten 40 Jahren hat der
Sultan den Oman zu einem sozial und wirtschaftlich starkem Land gewandelt. So gab es 1970
beispielsweise im ganzen Oman lediglich zwei Krankenhäuser und nur einige hundert Kilometer
asphaltierte Straße, heute sind es über 1000 Krankenhäuser und rund 60000 Kilometer Straßen.

Der Oman zwischen Tradition und Moderne

Der Oman hat es sich zur Aufgabe gemacht, anders zu sein als die benachbarten Emirate wie Dubai
oder Abu Dhabi. Anders als die Nachbarstaaten versucht der Oman Traditionen und Moderne zu
vereinen. Diverse Beschlüsse des Staatsoberhauptes tragen zur Umsetzung dieses Bestrebens bei.
So sind die Frauen im Oman beispielsweise gleichberechtigt. Was das in der Realität bedeutet? Frauen im Oman dürfen beispielsweise genau die gleichen Arbeiten verrichten wie Männer. Bei der Partnerwahl gerät die Gleichberechtigung allerdings an ihre Grenzen: Ein Mann darf im Oman mehrere Frauen haben, wenn er einen „wichtigen“ Grund darlegen kann – zum Beispiel, dass seine erste Frau keine Kinder mehr bekommen kann. Für Frauen gilt das allerdings nicht.

Allgemein gibt es eine lange Liste an Vorschriften, die das urbane Zusammenleben regelt: Ein Gebäude im Oman darf maximal 12 Stockwerke hoch sein, um die Aussicht auf die Landschaft nicht zu zerstören. Ein weiteres Beispiel ist, dass seit 1973 schmutzige Autos in Innenstädten verboten sind. Wer sein Auto also nicht regelmässig wäscht riskiert ein hohes Bußgeld und bei Wiederverstoß sogar sein Auto.

Über die allgemeine Sicherheit im Oman muss man sich eigentlich gar keine Gedanken machen,
Kriminalität gegen Touristen sowie Einheimische ist so gut wie unbekannt. Die beste Reisezeit für den Oman hängt natürlich etwas von seinen persönlichen Vorlieben ab, meiner Meinung nach ist es aber zwischen November und März. Wenn bei uns als Winter ist, liegen dort die Temperaturen zwischen 24-29 Grad bei ein bis zwei Regentagen im Monat. Wer es aber heisser mag, dem seien Mai-Juli ans Herz gelegt, hier klettern die Temperaturen schon auch mal über die 45 Grad Marke.

Oasen mitten im Nichts

Für mich gibt es eigentlich nur zwei Assoziationen wenn es um Wüste geht – 1. Sand bis zum
Horizont und 2. Oasen, welche aus dem Nichts auftauchen. Da ist es klar, dass mein Ausflugstipp
für den Oman lautet – besucht eine Oase. Unser netter Guide Ragh von Sahara Tours hat uns Mittags am Hotel eingesammelt und während der zweistündigen Fahrt zur nächstgelegenen Oase, Wadi Al Arbaeen, mit allerlei Informationen zu Land und Leuten versorgt. Nach einem kurzen Stop am Straßenrand an einem Weihrauchbaum endete die asphaltierte Straße und der Fahrer schaltete den Allradantrieb ein. Weitere 20 Minuten durch enge Täler auf Schotterpisten wurde es plötzlich immer grüner. Ragh erklärte uns, dass Wadi für Flusstal steht und wir gerade durch eben so eines fahren. Kurz nach dem es geregnet hat, füllt sich das Tal fast vollständig mit Wasser und dort wo wir gerade fahren, ist dann ein Fluß. In solchen Zeiten sind die Dörfer um die Oase nur sehr schwer zu erreichen.

Angekommen im Tal ist es auf einmal wie in einem Märchen aus 1001 Nacht, die Dattelpalmen
blühen im Überfluss, Sträucher und Farne bedecken die felsige Landschaft. Während die Sonne
langsam hinter den Berggipfeln verschwindet und das Licht immer surrealer wird, entschliesse ich
mich noch ein kurzes Bad in der Oase zu nehmen. Einige Sekunden später merke ich, wie ich von
kleinen Fischen angeknabbert werde, man kennt sie vielleicht aus europäischen Urlaubsländern, wo
einem so etwas als Fish-Spa verkauft wird, hier gibt es das vollkommen gratis. Die Fahrt zurück war für mich als Fotograf sehr faszinierend, da der Mond das felsige Gebirge wunderschön ausleuchtete.

Alternative Ausflugsziele

Wem eine Tour mit dem Jeep durch die Wüste vielleicht zu abenteuerlich erscheint, dem sei der
lokale Souq ans Herz gelegt. Shouq steht für Markt und ist letztendlich genau das was ihr euch jetzt
darunter vorstellt. Kleine enge Gassen, mit hunderten von Geschäften in denen Ihr alles kaufen
könnt was man sich in der arabischen Welt auf einem Markt wünscht – Gewürze, Kleidung und
Weihrauch. Der kleine aber feine Unterschied ist hier aber, dass man nicht alle zwei Meter mit den
selben abgedroschenen Marktverkäufer-Sprüchen angequatscht wird, denn auch hier halten sich die
Omanis bedeckt. Für mich war es einer der entspanntesten Markbesuche die ich je auf einer Reise
erlebt habe.

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Maskat ist mit Sicherheit die große Sultan-Qabus-Moschee,
welche allein schon durch ihre unfassbare Größe absolut beeindruckend ist. Zwischen 8-11 Uhr ist
es möglich die Moschee zu besichtigen und sich den zweitgrößten Kronleuchter der Welt im
Gebetssaal der Männer anzuschauen. Denkt aber bitte daran, dass die Kontrollen der Kleidung am
Eingang sehr streng sind. Frauen müssen sich wie im Islam üblich verschleiern, aber auch die
Männer müssen lange Hosen tragen, welche die Knöchel bedecken. Solltet ihr als Mann Tattoos an
den Unterarmen haben, so solltet ihr ein Hemd oder Shirt mit langen Ärmeln tragen, sonst wird
euch der Einlass nicht gestattet.

Einer der für mich beeindruckendsten Erfahrungen während meine Reise war Yachtausflug zur
Delfin-Beobachtung mit anschliessendem Mittagessen auf einer der an der Küste gelegenen Inseln.
Schon mehrfach habe ich auf meinen Reisen eine dieser Delfin-Touren mitgemacht und jedes mal
war ich im Nachhinein enttäuscht beziehungsweise entsetzt. Meistens war es so, dass unzählige
Boote einzelnen Delfinen hinterher jagten um die Touristen zufrieden zustellen. Diesmal wurde ich
aber positiv überrascht. Nach einer guten halben Stunde Bootsfahrt aufs offene Meer hinaus wurden
wir förmlich umzingelt von Delfinen. Über 40 Minuten begleiteten uns die Delfine und amüsierten
uns mit allerlei Kunststücken.

Wir waren zusammen mit vielleicht acht anderen kleinen Booten einfach nur Gast des Schauspiels, anstelle von der üblichen „Treibjagd“ bei solchen Ausflügen. Ich hatte eigentlich nie eines der arabischen Länder auf meine Bucketlist stehen, Abu Dhabi und Dubai sind mir zu protzig und zu kulturlos. Der Jemen ist zwar interessant aber eben auch zu gefährlich. Mit meiner Reise in den Oman hat sich das aber geändert. Der Oman ist jetzt auf meiner Liste und ich werde Ihn wieder bereisen, das nächste Mal hoffentlich aber mit etwas mehr Zeit im Gepäck und mit einem eigenen fahrbaren Untersatz.

Wo ihr im Oman am schönsten unterkommt, erfahrt ihr übrigens hier in meinem Hotel-Tipp.

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