Ich erinnere mich ganz genau an den Moment, in dem ich beschlossen habe, zum ersten Mal bewusst alleine zu verreisen.

Es war eine Dienstagnacht im Februar, genau eine Woche vor meinem 26. Geburtstag. 1:30 Uhr – jene magische Uhrzeit, zu der man nie so ganz weiß, ob die Gedanken, die einem so durch den Kopf geistern, von allergrößter Bedeutung sind oder bereits mit dem ersten Tageslicht wieder verflogen sein werden. Im Halbschlaf überkam mich auf einmal dieses eine, glasklare Bild: Ich musste an meinem Geburtstag am Meer sein. In einer fremden Stadt, in der ich niemanden kennen würde. Allein. Unbedingt allein!

Keine halbe Stunde später hatte ich einen Flug und ein kleines AirBnB im Zentrum von Porto gebucht. Davor hatte ich mich unruhig im Bett gewälzt, jetzt überkam mich eine tiefe Ruhe, die mich noch mit dem Laptop auf dem Schoß und mit Wellenrauschen in den Ohren sofort einschlafen ließ. Und auch im ersten Tageslicht am nächsten Morgen fühlte es sich richtig an. So richtig, dass es mich auch nicht verunsicherte, als mein Freundeskreis teils irritiert auf meine Entscheidung reagierte. „Ist etwas passiert?“, fragte mich eine Freundin besorgt. „Soll ich mitkommen?“

Allein Reisen: Ein Geburtstag im schönsten, warmen Nieselregen

Ich konnte ihre Perspektive gut nachvollziehen. Noch vor einem Jahr hätte mich die Aussicht, meinen Geburtstag allein in einer fremden Stadt zu verbringen, sicher verunsichert. „Glück ist nur echt, wenn man es teilt“ hätte ich damals geantwortet, hätte man mich nach dem Alleine-Reisen gefragt. Auf meine Reisen war ich bislang immer bewusst mit Menschen aufgebrochen, mit denen ich Zeit verbringen wollte, mit denen ich Momente teilen wollte.

Aber jetzt war alles anders. In Porto würde ich keine Menschenseele kennen – und das löste in mir auf einmal kein bedrohliches Gefühl mehr aus, sondern fühlte sich ziemlich befreiend an. Klar blieb da ein kleiner Zweifel in mir: Vielleicht würde ich mich ja doch plötzlich einsam fühlen in einer Stadt so ganz ohne vertraute Gesichter – wer wusste das schon?

Doch diese Angst sollte unbegründet bleiben: Am frühen Morgen meines Geburtstags bin ich im schönsten, warmen Nieselregen aus dem Flieger in Porto ausgestiegen und habe mich so frei wie lange nicht mehr gefühlt. Ich habe mir ein Café gesucht und einfach alles von der Karte bestellt, was ich wollte: Rührei, ein Sandwich, Orangensaft, ein viel zu süßes Törtchen (egal, trotzdem gegessen!), zwei Cappucini.

Allein, ja – aber kein bisschen einsam

Ich habe gefühlt tausend Fotos der wunderschönen, bunten Fliesen gemacht, die die Häuserfassaden in der ganzen Stadt schmücken. Dann habe ich mich im (inzwischen strömendem!) Regen zum Meer aufgemacht. Unterwegs hat mir ein Straßenhändler, der kein Wort Englisch konnte, wortlos und mit einem riesigen Lächeln ein Regencape geschenkt und mir geholfen, mich und meinen großen Rucksack darin einzupacken.

Am Meer angekommen, war wegen des Wetters keine Menschenseele zu sehen. Nur einen einzigen, wagemutigen Surfer meinte ich in der Ferne ausmachen zu können. Da war ich also, das Gesicht zum Meer, mit nassen Füßen und einer Million Möwen, die über meinem Kopf zeternd ihre Kreise zogen – fast genauso wie ich es mir vor gerade Mal einer Woche in der kalten Winternacht in Stuttgart vorgestellt hatte.

Abends habe ich dann in meinem AirBnB mit Blick über die Stadt die etlichen, liebevollen Nachrichten und Glückwünsche von Freunden und Familie aus aller Welt angehört und ich habe mich darauf gefreut, ihnen von meinem Tag zu erzählen. Vom Rührei, Regen, den Möwen, dem Straßenhändler. Und ist das nicht das beste Gefühl der Welt? Allein war ich, ja. Aber kein bisschen einsam.

Dieses Jahr werde ich vermehrt alleine in den Flieger steigen – und euch hier davon berichten! Ganz oben auf meiner Wunschliste steht dabei der Iran, was bestimmt eine Herausforderung, aber auch die Erfüllung eines Traums bedeutet. Habt ihr Erfahrungen mit dem Allein-Reisen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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