Curaçao? Ich muss zugeben, dass ich vor dieser Reise die kleine Insel in der Karibik erst mal auf der Landkarte suchen musste. Ich fand sie hier: Umgeben vom pazifischen Ozean, direkt neben Aruba und Bonaire vor der Küste Venezuelas. Die Dritte der „ABC-Inseln“ also. In meinem Kopf taten sich typische Postkartenmotive auf: Weiße Sandstrände, türkisblaues Wasser, grüne Palmen. Mittlerweile weiß ich: Ja, Curaçao ist all das – aber auch so viel mehr!

Auf dem Papier gehört die 400 Quadratmeter große Karibikinsel aufgrund ihrer Kolonialgeschichte zu den Niederlanden, geografisch zu Südamerika. 2005 haben die rund 160.000 Inselbewohner bei einem Referendum dafür gestimmt, zukünftig ein autonomes Land innerhalb des Königsreichs zu sein. Niederländisch ist deshalb zwar Amtssprache. Doch meist gesprochen wird Pipiamentu, eine Kreolsprache mit Elementen aus dem Spanischen, Portugiesischen, Niederländischen und Englischen.

Das gesamte Land ist, wie ich lernen sollte, genauso spannend und bunt wie ihre Landessprache: Hier findet ihr einen Mix aus Kulturen, mit afrikanischen und europäischen Einflüssen. Eine kleine, aber einfallsreiche Kunstszene. Knallbunte Townhäusern und bröckelnde Wände aus Korallen. Ein raues Landesinnere, wo zwischen dicht wachsenden Kakteen tausende Echsen und Leguane leben. Malerische Buchten, in denen sich unter der türkisfarbenen Wasseroberfläche bunte Fischen und Wasserschildkröten tummeln. Eine dunkle Vergangenheit – und eine goldene Zukunft.

Türkis und Weiß: Curaçaos Strände

Natürlich kommen die meisten Touristen nach Curaçao, um Sonne zu tanken. Insgesamt 35 Strände schmücken die Küsten der Insel. Hier findet wohl jeder seinen Lieblingsstrand: Sonnenanbeter schnappen sich eine Liege im Schatten einer Palme am Playa Porto Mari, neben einem der hier lebenden Strandschweine.

Wer es etwas natürlicher mag, fährt weiter Richtung Westen. Hier findet ihr die beiden berühmtesten Strände der Insel: Den „Grote Knip“ Strand und den benachbarten „Klein Knip“ Strand, die für ihr klares Wasser berühmt sind. Besonders in eine kleine Bucht hier habe ich mich verliebt – aber dazu bald mehr in unserem Printmagazin.

Noch ein persönliches Highlight: Ein Schnorchelausflug am noch weiter westlich gelegenen Playa Piscado/ Playa Grandi. Hier legen täglich Fischerboote Anker – und die Fischabfälle locken etliche, zutrauliche Wasserschildkröten in die kleine Bucht, die beim Schnorcheln ganz nah neben, über und unter euch schwimmen. Wunderschön!

Goldene Zukunft: Number Ten und Hofi Cas Cora

Die Inselbewohner haben niederländische Pässe, sprechen mehrere Sprachen und pflegen trotz großer Distanz eine enge Beziehung zu Europa. „Viele meiner Freunde sind nach der Schule in die Niederlande gegangen und dann dort geblieben“, erzählt mir Liberty Suares. Auch sie ist zum Studium erst einmal nach Amsterdam gegangen – dann aber zurückgekehrt. „Ich hatte genug davon, dass sich alle darüber beschwert haben, dass hier nichts für junge Menschen passiert – und dachte, ich nehme das jetzt einfach selbst in die Hand“.

Gemeinsam mit ihrem langjährigen Partner hat sie im Winter 2017 „Number Ten“ gegründet: Ein liebevoll eingerichtetes Café, in dem sie frische Salate, Sandwichs und (richtig guten!) Kaffee anbietet. Nebenbei bietet sie SUP-Yogastunden an. Die 24-Jährige ist ein gutes Beispiel für eine neue Generation von Unternehmern, die auf der Insel bleiben, um hier ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Das spürt man im „Number Ten“ – ein wirklich wahnsinnig atmosphärischer Ort!

Eatding-Tipp:

Number Ten
Santa Rosaweg 10
Willemstad, Curaçao

Ebenso beeindruckend: Das benachbarte ökologische Landgut Hofi Cas Cora, geführt von der etwa gleichaltrigen Femi Peiliker und ihrem Partner, wo (fast ausschließlich) selbst angebautes Obst und Gemüse auf die Teller kommt. Eine echte Ausnahme: Denn aufgrund der Hitze kann auf Curacao insgesamt nicht genug angebaut werden, um alle Inselbewohner zu versorgen – ein Großteil der Güter wird deshalb importiert.

Eatding-Tipp:

Landhuis Hofi Cas Cora
Willemstad, Curaçao

Frischer Fisch hingegen ist reichlich da: Und wer ganz traditionell, frisch (und gut!) Fisch essen will, findet wohl keinen authentischeren Ort als die Kas di Piskado Purunchi. Etwas versteckt am Rande Willemstads gelegen, esst ihr hier wie Locals: Den vielleicht besten Fisch der Stadt, am selben Morgen gefangen, ohne großen Schnickschnack, mit Blick auf Fischerboote – und zu fairen Preisen.

Eatding-Tipp:

Kas di Piskado Purunchi
John F. Kennedy Boulevard,
Willemstad, Curaçao

 

Kunterbunt: Streetart, Recycle-Kunst & Townhouses in Willemstad

Die bunt getünchten Townhouses im holländischen Stil im Zentrum von Willemstad sind zum Markenzeichen für Curaçao geworden. Hier könnte man ganz kurz vergessen, dass man sich in der Karibik und nicht etwa in den Amsterdam befindet – wäre da nicht das tropische Klima und das Meer, das sich direkt hinter den Townhouses eröffnet.

Generell haben die Inselbewohner keine Angst vor Farben – und Experimenten. Der Streetart-Künstler Garrick Marchena begann 2009 aus einem Impuls heraus, die Wände der Stadt mit Wandgemälden zu versehen, die immer auch eine molarische Botschaft in sich tragen. Toll: Aktuell arbeitet Marchena mit Jugendlichen aus benachteiligten Bezirken, an Kunstwerken, die auf die Plastikmüll-Problematik aufmerksam machen sollen.

Andere, wie der wohl berühmteste Künstler der Insel, Yubi Kirindongo und der lokale Multimedia-Künstler Omar Sling nutzen eben diese Problematik für ihre Kunst: Sie machen Kunst aus Produkten, die andere wegwerfen, sehen Esthetik im Ungewöhnlichen. Kirindongo lebt diese Kunst regelrecht: Sein privates Zuhause ist gefüllt von Kunstwerken aus recyclten Materialien, umgeben von einem riesigen Gelände voller „Schrott“, Skulpturen aus ausrangierten Stoßstangen und einem großen, bunten Sonnendach aus Plastikkisten.

Wer Kirindongo besuchen will, kann übrigens, nach eigener Aussage einfach mal klingeln. „Wenn ich Lust habe, mache ich auf und gebe eine Führung“, sagt der 72-Jährige.

Grüne Seele und dunkle Vergangenheit

Der bunte Mix aus europäischen und afrikanischen Einflüssen auf der Insel, der sich durch Küche, Architektur, Kunst und Musik zieht, kommt nicht von ungefähr: Seit dem 15. Jahrhundert wurde die Insel abwechselnd von den Niederländern, Engländern und Franzosen besetzt, später wurde die Insel zum Zentrum des Sklavenhandels. Die Ureinwohner der Insel, vom Stamm der Arawak, wurden leider komplett ausgelöscht.

Wenn ihr mehr über die die Kultur, die sich aus der Sklaverei-Geschichte der Insel entwickelt hat, erfahren wollt, lege ich euch einen Besuch in der Kas Di Pali Maishi ans Herz. Die Frauen hier vermitteln mit Leib und Seele Traditionen, die andernfalls wohl bald vergessen werden würden: Ihr erfahrt wie man essbare Kakteen (aus denen bis heute zum Beispiel) eine ziemlich gute Suppe gemacht wird) von Nutz-Kakteen unterscheidet (die zum Beispiel zum Zäune-Bau verwendet werden), lernt traditionelles Brot im Kohleofen zu backen und bekommt, mit etwas Glück, traditionelle Lieder, die die Sklaven einst zur gegenseitigen Motivation gesungen haben, vorgesungen. Besser als jedes Museum!

Mindestens genauso faszinierend ist ein Besuch im Kräutergarten von Dinah Veeris. Sie hat einen großen Teil ihres Lebens damit verbracht, ältere Generationen der karibischen Inseln zu den heilsamen Wirkungen der lokalen Kräuter und Pflanzen zu interviewen, um ihr Wissen für die Zukunft zu bewahren. Ihre Beziehung zu den Pflanzen und der Natur hat mich wirklich inspiriert: Kranke Pflanzen versetzt Veeris in eine Hängematte und singt täglich für sie. Das kann man, wie manches auf dieser Insel, verrückt finden – oder ein bisschen magisch. Ich stimme für letzteres!

Auf dieser Reise habe ich gelernt, dass Curaço mehr ist als Strand und Meer und bin beeindruckt, was die Menschen vor Ort aus „ihrer“ Insel machen. Welche (ganz andere) Seite von Curaçao Mia und Thies bei ihrem Insel-Besuch 2015 kennenlernen durften, und wo ihr während eures Trips unterkommen könntet, erfahrt ihr hier.

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