Mit pochendem Herzen rolle ich den Kinderwagen in die Ecke und schmeiße den Rucksack neben mich. Während mein Atem sich langsam beruhigt sinke ich mit der zunehmenden Geschwindigkeit des Zuges immer tiefer in meinen blauen Sitz.

Seit wir Eltern sind hat sich vieles verändert und trotzdem versuchen wir die gleichen zu bleiben und das Leben zu führen, von dem wir auch weiterhin träumen. Auch wenn das bedeutet, dass wir oft unsere Komfortzone verlassen müssen und unsere eigenen Bedürfnisse weit hinten anstellen müssen, denn die dieses kleinen Menschen, den wir so gerne lachen sehen, stehen jetzt ganz ganz oben. Doch dann und wann müssen wir uns auch mal wieder schütteln und uns bewusst machen, dass wir jetzt auch mal eine Pause brauchen. Nach den 3.000 km, die wir mit Auto und Wohnwagen binnen zweier Wochen durch Schweden gefahren sind, kamen wir genau an diesem Punkt an. Man muss sich auch mal ausruhen dürfen. Einfach nur dasitzen und die Landschaft bestaunen ohne auf Geschwindigkeitsbegrenzungen, Stau oder der nächsten Raststätte Ausschau zu halten. Genau aus diesem Grund entschieden wir uns für einen kleinen Tagesausflug an den Bodensee via Intercity 2 der Deutschen Bahn.

Entspannt zurücklehnen: Zwei gute Stunden für uns

„Früher“, also in der Zeit als ich noch ohne Neon unterwegs war, gehörte das Bahnfahren zu meinen ganz normalen Routinen. Mindestens einmal im Monat stand eine Fahrt nach Berlin, Hannover oder Hamburg auf dem Plan. Während Deutschland hinter dem Glasfenster an mir vorbeiflitze, konnten die Finger flink auf der Tastatur tanzen oder in Funklöchern durften die Augen einfach mal geschlossen werden, ein kleiner Luxus über den ich immer wieder froh war. Vergangenen Freitag bestiegen wir das erste mal zu dritt den Intercity 2. Schon bei der Ticketbuchung, ließ sich das „Kleinkindabteil“ auswählen. Ohne zu wissen, was uns dort erwartet, haben wir diese Sitze reserviert. Und dann steigen wir auch schon die Treppen hoch, denn unsere Sitze sind in der oberen Etage des Doppelstock Intercity 2. Wir kleben an den Panoramafenstern als wir an meinem Geburtsort vorbei fahren, freuen uns über die Regenschwaden, die um die dunklen Bäume am Fuße des Schwarzwaldes ziehen und freuen uns, dass wir im Trockenen sitzen und die Welt einfach mal so an uns vorbei ziehen lassen dürfen. Kilometer für Kilometer und mit einem heißen Becher Kaffee in der Hand, der uns vom Servicepersonal inklusive leckeren Kleinigkeiten, direkt ins KIeinkindabteil gebracht wurde, kommen wir einem unserer Lieblingsorte in Deutschland näher: Konstanz!

Die größte Stadt am Bodensee liegt an der Grenze zur Schweiz und ist aus meinen Kindheits- und Jugenderinnerungen nicht wegzudenken. Das Eisessen an der Promenade mit meinen Eltern (und den kreischenden, gierigen Möwen), das Bummeln über den Konstanzer Weihnachtsmarkt im Winter oder die abendlichen Fahrten in meiner Jugend in die Konstanzer Clubszene – die Stadt am „schwäbischen Meer“ gehört einfach zu meinem Leben. Umso schöner, die wunderschöne Bodenseeregion jetzt auch mit der eigenen, kleinen Familie zu besuchen. Seit diesem Jahr setzt die Deutsche Bahn auf der Strecke von Stuttgart nach Singen ihren neuen Intercity 2 ein. Ein Zug, der mir aufgrund seines Komfort und der großen Beinfreiheit, gerade jetzt mit Kleinkind, gefällt. Auf zwei Stockwerken fahren wir Richtung Bodensee: Unsere Familie genießt hier die Bewegungsfreiheit und den Panoramaausblick aus dem Oberstock.

Besonders schön für Sparfüchse: Der Intercity ist jetzt auch mit dem Nahverkehrsticket nutzbar, zum Beispiel mit dem BW-Ticket. Kinder fahren mit ihren Eltern übrigens kostenlos Bahn. Für uns hat sich die Reservierung im Kleinkindabteil gelohnt, da Neon genug Platz zum Spielen und Entdecken hatte und nicht eingeengt auf seinem Sitz verharren musste. Für Eltern gold wert, denn ein quengeliges Kind, noch vor der Ankunft am eigentlichen Ausflugsziel, kostet Nerven und Energie.

Stündlich kommen wir jetzt mit unserem Nahverkehrsticket im Intercity von Stuttgart nach Singen, davon alle zwei Stunden im neuen Intercity 2. Zweimal pro Tag fährt der Intercity 2 sogar weiter bis Konstanz – dadurch sparen wir uns einen Umstieg und können ohne Stress bis zum Bodensee durchfahren.

Angekommen am Bodensee – und jetzt?

Wir finden, dass allein die Stadt Konstanz genug bietet, um hier einen schönen, entspannten Tag zu verbringen. Im Sommer lädt die Promenade zum flanieren ein, Strandbäder sind geöffnet und bei schlechterem Wetter bietet die Therme den perfekten Ort zum Plantschen und Verweilen. Wir selbst sind auch große Fans davon, einfach nur am Ufer zu stehen, Vögel bei ihrem Treiben zu beobachten und mit Neon ein Stein nach dem anderen in den See zu werfen.

Um doch ein bisschen mehr zu erleben, wurden wir in Konstanz von Fotograf und Buchautor Thomas Blasche empfangen. Der Autor hinter dem Buch „Glücksorte am Bodensee“ kennt die Gegend natürlich in- und auswendig. Er kennt einige Geheimtipps rund um den Bodensee, entführte uns aber auch auf die  bekannte Blumeninsel Mainau, auf der wir seit unsren eigenen Kindheitstagen nicht mehr waren und gerade für Familien ein schönes Ausflugsziel darstellt. An regnerischen Sommertagen wie diesem, strahlt die Insel besonders bunt. Im Duft aus verschiednen Blumen schlendern wir über die Insel und freuen uns auf eine kleine Kuchenpause im Café „Vergissmeinnicht“. Das Café wird von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf betrieben, die Teil des Fachbereiches „Pro Integration“ des gemeinnützigen Vereins „Gärtnern für Alle e.V.“ sind. Die 11-monatigen berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme fördert die sozialen und praktischen Kompetenzen der Jugendlichen um sie in die Arbeitswelt zu integrieren. Tolles Konzept für unsere Gesellschaft und super leckerer Kuchen für uns (und die Spatzen)!

Zum Abschluss des Tages genossen wir den Ausblick auf den See von der Basilika Birnau aus. Der Wallfahrtsort und das Barockjuwel ist in diesen Monaten natürlich vor allem für Hochzeiten beliebt. Für mich ist der Parkplatz dort ein perfekter Ausgangspunkt um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen und um in einen gemütlichen Spaziergang, vorbei an Weinreben und Waldwegen zu starten. Ein Tag am Bodensee ist wie ein Tag Urlaub in Kleinformat und dank der praktischen Bahnverbindung, folgt diesen Sommer ganz bestimmt ein weiterer Tag am schwäbischen Meer!

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