Wow, Schottland. Dich muss ich mir nicht schön trinken. Bereits zum zweiten Mal durfte ich mich dieses Jahr im Rahmen einer Whiskyreise von deinen grünen, bergigen Landschaften, den schwarzblauen Lochs und deinem köstlichen Scotch Whisky verzaubern lassen.

Hinter jeder Bergkuppe, die ich während meines Aufenthaltes in den schottischen Highlands entdeckte, konnte ich mir bildlich „die Mauer“ aus Game of Thrones, welche die sieben Königslande vor den weißen Wanderern abgrenzt, vorstellen. Soweit oben im Norden fragte ich mich dann allerdings auf welcher Seite der Mauer ich denn nun stehe.

Whiskyreise Schottland: Welcome to Glengoyne!

Glengoyne, was auf gälisch soviel wie Tal der Wildgänse bedeutet, ist der Name der Whiskybrennerei südlich von Killearn in den südlichen schottischen Highlands. Hier sollte ich nun den Unterschied zu den eher torfig, rauchigen Scotch Whiskys der Hybriden Inseln kennenlernen.

Während der Führung und Verkostung in der Glengoyne Destillerie konnte ich zwar keine der namensgebenden Wildgänse entdecken, jedoch den versteckten Wasserfall in einer kleinen Schlucht, der zu Beginn der Brennerei, Georg Conner, dem Gründer, den passenden Schlupfwinkel bot um den Steuereintreibern zu entgehen. Das Ganze galt zu Anbeginn der Brennerei also eher einem Katz- und Maus-Spiel und hatte wenig mit Wildgänsen zu tun.

Scotch, ein Produkt internationaler Zusammenarbeit

Mit gut 1,2 Millionen Litern Jahresvolumen, reicht der kleine Wasserfall an der Destillerie nicht aus, um die benötigen Mengen Wasser zur Whiskyproduktion zu liefern. Er dient jedoch zur Kühlung der Destillationsanlagen. Das für den Whisky verwendete Wasser kommt aus den weiter entfernten Bergregionen der schottischen Highlands. Die verwendete Gerste wird über einem Holzkohlfeuer gedörrt. Der Whisky hat daher keine Torfnot. Die natürlichen Aromen kommen hierdurch besser zu Geltung. Zur Lagerung werden „Puncheon Casks“ aus spanische Roteiche, in denen zuvor Premium Sherry lagerte, sowie „Bourbon Casks“ aus amerikanische Weißeiche verwendet. Auch wenn der Name Scotch auf ein einhundertprozentig schottisches Produkt schließen lässt, sind am letztendlichen Geschmack des Glengoyne Whiskys, doch ein paar mehr Länder und Nationen beteiligt.

200 Jahre – Die Erfahrung steckt in jedem Tropfen Scotch

Seit über 200 Jahren wird in der Glengoyne Destillerie bereits Scotch Whisky hergestellt, anfangs illegal, dann nach Steuerbefreiung legal. Ursprünglich hieß die Destillerie Burnfoot of Dumgoyne und nach dem Kauf der Brüder Lang aus Glasgow im Jahre 1876 wurde sie 1905 in Glengoyne umbenannt. Sie ist heute eine der wenigen Destillerien, die sich noch in schottischen Familienbesitz befindet.

Als Highland Whisky gebrannt, im Lowland gereift

Glengoyne zählt zu den Highland Whiskys, jedoch liegt lediglich die Destillerie in den Highlands. Die Warehouses liegen auf der gegenüberliegenden Seite des „Westhighlands Ways“, der die geographische Grenze zwischen den Low- und Highlands bildet. Somit wird Glengoyne als Highland Whisky destilliert und reift in den Lowlands heran. Er zählt aber dennoch zu den Highland Whiskys.

Mit jedem Jahr fordern die Engel ihren Tribut

Die Glengoyne Single Malts werden nach 10, 12, 15, 18, 21 und 25 Jahren Lagerung abgefüllt. Es gibt aber auch diverse Sonderabfüllungen. Ich kam während meines Besuches in den Genuss eines 30jährigen, der um circa 650 Euro gehandelt wird. Bei meiner Führung durch die Warehouses lag der Duft von Scotch in der Luft. Im Unterschied zu Bourbons, können schottische Whiskys dank des kühleren und weniger schwankendem Klimas länger lagern. Je höher die Temperaturschwankungen, desto mehr arbeiten die Eichenfässer und verlieren hierbei pro Jahr circa zwei Prozent ihres Inhaltes. Dieser Anteil wird als „Angelshare“ bezeichnet und erklärt den enormen Volumen Schwund und den teils hohen Preis eines lang gelagerten Whiskys.

Vom Meister gelernt – Mein erster eigener Blend

In die Hohe Kunst des Blending führte mich der Glengoyne Destillery Master Blender „Arthur“ ein. Ein wahrhaft schottisches Original! Auf meine Frage, ob dies DER schottische Traumberuf schlechthin sei, bekam ich folgende Antwort eines Destillerie Mitarbeiters: „either you become a Gigolo or you work at a Destillerie“. Für „Arthur“ wurde der schottische Traum wohl war. Meinen ganz eigener Traum eines Scotchs entwarf ich aus fünf Single Casks Whiskys. Teils Tropisch-fruchtig, dank eines eher leichteren und jüngeren in Bourbon Fässern gereiften Whisky, dann unteranderem geblendet mit einer Toffee-Sherry-Note dank eines älteren in Sherry Fässern gereiften. Unverdünnt liegt mein Glengoyne Blend nun bei 57,6% Alkohol. Ein echtes Unikat!

Für die heimische Hausbar durfte ich mir im Destiilerieshop den mehrfach prämierten, 18 jährigen Single Malt, nicht entgehen lassen. Gerne hätte ich mir noch einen 21 oder 25 jährigen gekauft, aber man muss ja auch noch Luft nach oben haben. Vielleicht komm ich ja mal wieder nach Glengoyne und reise dann im Scotch noch tiefer in die Vergangenheit.

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