Mehr als fünf Jahre ist es her, seit beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch über 1.000 Arbeiter*innen ums Leben kamen und mehrere Tausend verletzt wurden. Der Vorfall zwang die Welt sich (wenn auch nur kurzzeitig) einer Realität zu stellen: Für unsere billige Mode bezahlen andere Menschen buchstäblich mit ihrem Leben. Nicht nur am 24. April 2013 im Rana Plaza, sondern jeden einzelnen Tag und in weiten Teilen dieser Welt (Tipp: Seht euch dazu unbedingt die Doku „The True Cost“ an).

Dass die große Revolution ausblieb, ist kein Geheimnis. Wer heute versucht, faire Mode zu kaufen, stößt in den Einkaufspassagen unserer Städte schnell an Grenzen. Die meisten großen Ketten (übrigens recht unabhängig von Preislabels) produzieren weiterhin frei nach dem Motto „hauptsache profitabel“, ohne Rücksicht auf Verluste. Und die meisten von uns denken beim Shopping eben nicht an die Näherin in Bangladesch, die unser hippes Shirt (auf dem dann am Besten noch „I am a feminist“ steht – was für eine Heuchelei!) zu einem Hungerlohn in einer 12-Stunden-Schicht genäht hat.

Und klar, es ist ziemlich leicht all das auszublenden. Auch wenn ich ein großer Fan von Second Hand bin und in meinem Freundeskreis ein reger Kleidertausch stattfindet: Ab und zu sehe auch ich eine Jeans, ein Kleid oder ein Shirt und will es einfach haben. Neu. Für mich. Und ohne nachzufragen, woher es kommt. Eigentlich gibt es inzwischen aber Optionen. Brands, die richtig schöne Mode machen und gleichzeitig fair produzieren – und es uns so leicht machen, umzusteigen.

Ein paar davon habe ich hier für euch zusammengetragen:

Faire Modelabels im höheren Preissegment: Acne, Fillipa K & Stella McCartney

Auch wenn man es anders vermuten könnnte: Im Luxusbereich gibt es bisher tatsächlich nur eine Handvoll Designer, die fair produzieren. Und dann ist da Stella McCartney: Die britische Designerin versucht seit Jahren, ihre Branche unter Druck zu setzen. Als Fair-Fashion-Verfächterin der ersten Stunde setzt sie auf eine nachhaltige Produktion, verzichtet auf tierische Produkte, arbeitet gar an der Entwicklung ganz neuer Recycling-Stoffe mit und spricht unermüdlich über faire und nachhaltige Mode.

Moderne skandinavische Designs aus hochwertigen, nachhaltig produzierten Stoffen findet ihr außerdem zum Beispiel bei den schwedischen Marken Acne und Filippa K. Auch spannend: Die in den USA ansässige Nachwuchsdesignerin Ran Enda, von der wir euch in unserem aktuellen Printmagazin berichten.

Faire Modelabels Ready to Wear: Armed Angels, Jan ‚N‘ June & Closed

Klare Schnitte, hochwertige Stoffe, faire Preise: Das Kölner Fair-Fashion-Label Armed Angels gibt in Deutschland in Sachen Fair Fashion den Ton an. Auch schön: Das faire Hamburger Label Jan ‚N‘ June. Faires Denim findet ihr zum Beispiel bei Closed.

Faire Schuhe & Accessoires: Veja, Good Guys & Matt & Nat

Faire Schuhe sind gar nicht so leicht zu finden. Ich bin vor zwei Jahren über Schauspielerin Emma Watson auf die französische Marke Good Guys gestoßen, deren schlichte, weiße Sneakers aus veganem Leder (eine Kombination aus Mikrofasern, natürlichem Gummi und Leinen) inzwischen zu meinen täglichen Begleitern geworden sind. Eine größere Auswahl an schönen, fairen Sneakers findet ihr aber auch bei Veja. Vegane Taschen und Boots gibt’s zum Beispiel beim kanadischen Label Matt & Nat. Nachhaltigen, fairen Schmuck findet ihr beispielsweise beim relativ neuen Berliner Label Quite Quiet.

Faire Unterwäsche: Erlich Textil & Löv The Label

Auch für „unten drunter“ gibt es mittlerweile einige tolle Labels, die fair produzieren. Schlichte, schöne Designs findet ihr zum Beispiel beim Kölner Label Erlich Textil (hier geht’s zum Online-Shop). Auch toll: Das relativ junge Label LÖV (zum Online-Shop) arbeitet mit Bio-Baumwolle und hat es sich außerdem zur Mission gemacht, Schnitte zu designen, in denen sich Frauen mit unterschiedlichsten Figuren schön und empowert fühlen sollen. Hell yes!

Faire Mode: Es liegt an uns!

In den drei Jahren seit ich angefangen habe, bewusster und weniger zu kaufen, habe ich so viel mehr gewonnen, als ich verloren habe: Denn mein kleiner Kleiderschrank gibt den Dingen in meinem Leben einen ganz anderen Wert.

Das Shirt, das meine Freundin Scarlett aussortiert hat und mich bei jedem Tragen an sie erinnert. Die Cordjacke vom Flohmarkt in Berlin, die ich mit Anna gekauft habe. Und: Meine neu gekauften „Good Guys“-Sneakers, bei denen ich mir sicher sein kann, dass dafür kein Mensch und kein Tier zu Schaden kam – und die auch noch ziemlich gut aussehen.

Perfekt bin ich nicht. Vereinzelt kaufe auch ich noch Mode, auf der klein gedruckt Made in Bangladesh steht. Aber es wird immer weniger. Und wenn sich die Branche verändern soll, müssen wir alle unser Verhalten langfristig verändern, jeder einzelne von uns. Müssen Druck ausüben auf eine Industrie, die aktuell von unserem Egoismus und Niemals-Genug-Bekommen geprägt ist. Ein Anfang kann sein, einfach weniger und bewusster kaufen – und wenn neu zu kaufen, dann bei Brands, die etwas verändern wollen.

Aber vor allem müssen wir hinschauen. Und das nicht erst, wenn das nächste Gebäude einstürzt. Deal?

Habt ihr Lust, mehr zum Thema nachhaltige und faire Mode zu lesen? Dann lasst mir gerne einen Kommentar da!


Unser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch den Klick und den anschließenden Kauf erhalten wir einen kleine Provision. Das beeinträchtigt aber nicht unsere Produktauswahl. <3

Kommentare

Send this to a friend