Wann immer ich an Orte reise, die ich nie zuvor besucht habe, werfe ich gerne einen Blick auf die Autoren, die Dichter, ja, die Literatur des Landes. Die, die Geschichte erzählen und mich mit ihren Worten berühren. „Memory … is the diary that we all carry about with us“, schrieb Oscar Wilde. Warum ich gerade ihn zitiere? Wilde wurde in Dublin geboren, der Hauptstadt Irlands. 

Erinnerungen sind es auch, die Kais und mein Abstecher auf die „Emerald Isle“ – so wird Irland wegen seiner grünen Landschaft auch genannt – zurückgelassen hat. Magische Erinnerungen, die vielleicht nur eine Reise im Zug schreiben kann. Überhaupt: Reisen im Zug – ein Traum seit Kindertagen. Damals las ich aufregt die Romane Agatha Christies. Die Verfilmung von „Mord im Orientexpress“ ist einer der Klassiker, den ich zusammengekauert, aber immer wieder gerne zusammen mit meiner Mutter vor dem Fernseher verfolgte, so wie sie es als Kind schon getan hatte. Das Rattern des Zuges, die luxuriöse Einrichtung der Wagons, die vorbeifliegende Landschaft – das war für mich Stoff, aus dem Träumereien gemacht waren. Die Einladung mit dem Belmond Grand Hibernian, einem modernen Luxuszug, für zwei Tage durch Irland zu Reisen, löste demnach kribbelige Vorfreude bei uns aus. Was werden wir erleben? Und wie viel Luxus bedeutet ein Luxuszug wirklich? 

Reisen im Zug: An Bord des Belmond Grand Hibernian

Heuston Station, Dublin: als wir den Bahnhof durchqueren, fällt er sofort auf, der mitternachtsblaue Zug mit den silbernen Lettern. Noch am Gleis empfängt man uns mit einem Glas Champagner und bringt uns in den Panoramawagen, der zu so etwas wie dem Herzstück der kommenden Tage werden wird. Hier kommt man zwischen den Ausflügen zusammen und ins Gespräch mit den anderen Reisenden an Bord, genießt einen Drink von der Bar und schaut der irischen Landschaft beim Vorüberziehen zu.

Insgesamt finden bis zu 40 Gäste an Bord Platz, verteilt auf 16 Doppelabteile und vier Doppelbettabteile. Die Wagons tragen die Namen der irischen Countys – wir verbringen unsere Nächte in einer Twinbettkabine. Dem Zug ist sein irisches Erbe eingeschrieben: die Dekoration, die verwendetet Stoffe und Muster spiegeln das traditionelle Design des Landes wider und erfüllen auf ihrer begrenzten Größe trotzdem jeden Wunsch nach Komfort. Ein eigenes Badezimmer, kuschlige Bademäntel, ein großer Kleiderschrank, ein Schreibtisch nebst Briefpapier, auf Wunsch gibt es Bettwäsche für Allergiker. Das besondere Highlight: das große Fenster am Bett, durch das die Landschaft aussieht wie ein Gemälde. Per Knopfdruck erhält man jederzeit Service durch das Team an Bord, das uns und den anderen Gästen aber auch so schon jeden nur möglichen Wunsch von den Augen abliest.

All zu viel Zeit, um sie in unserer Kabine zu verbringen, haben wir aber gar nicht. Immer lockt ein Ausflug, ein Umtrunk, ein Snack, ein Konzert an Bord. Und so kommt es, dass wir die meiste Zeit unterwegs, in einem der Speisewagen oder im Panoramaabteil verbringen.

„A Taste of Ireland“: zwei Tage quer über die Insel

Samstag gehen wir in Dublin an Bord, Montags steigen wir in der irischen Hauptstadt wieder aus. Dazwischen fliegen wir durch grüne Landschaften, ziehen an der Küste vorbei und überqueren eine Grenze. Nordirland ist nach wie vor Teil des Vereinigten Königreichs.

Wer an Bord des Belmond Grand Hibernians geht, wählt eine von drei verschiedenen Touren und verbringt zwei, vier oder sechs Nächte im Zug. Als Gast wird man nicht nur im Zug rundum versorgt, sondern erhält auch ein komplettes Paket an Ausflügen und Aktivitäten: von Transfers über Tourguides, bis hin zum Afternoon Tea  – alles ist organisiert. Hierin liegt für uns aber auch kleiner Wermutstropfen: es gibt immer einen Plan mit Treffpunkten und Uhrzeiten und für eigene Erkundungen bleibt relativ wenig Raum. Da wir für gewöhnlich eher zu den Individualreisenden zählen, war das eine ungewohnte Erfahrung. Der luxuriöse Rundum-Service, der von Belmond geboten wird, bedeutet jedoch auch, dass wir uns auf sehr komfortable Weise um nichts selbst kümmern müssen und in den Genuss außergewöhnlicher Erlebnisse kommen.

Northern Ireland: Geschichte erleben in Belfast

Merklich wird das, als wir während unseres halben Tages in Belfast außerhalb der üblichen Öffnungszeiten das Titanic Museum besuchen. Außer unserer Gruppe teilen wir das große, interaktive Museum mit niemandem. So bleibt viel Raum, um die Ausstellung mit Ruhe besuchen zu können und den Weg der Titanic – von ihrer Planung bis zum Tauchgang nach ihren Bruchstücken am Meeresgrund – zu verfolgen.

Während wir in Belfast nicht wirklich Zeit haben, um die Metropole von heute zu erkunden, tauchen wir weiter ein in seine Geschichte. Vom Ende der 60er Jahre bis in die 90er hinein, war Belfast vor allem wegen der harschen und gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen katholischer und protestantischer Bevölkerung in den Medien präsent. Der Konflikt hat sich heutzutage beruhigt, die Zeichen der Vergangenheit sind in der Stadt jedoch immer noch sichtbar. Wir besuchen die Schauplätze der Auseinandersetzungen und stehen an der Mauer, welche die Stadtteile auch heutzutage noch trennt. Ein bitterer Geschmack einer Welt, die es immer noch nicht geschafft hat, sich überall die Hände zu reichen.

Irlands Süden: High Tea in Waterford

Nachts fahren wir nicht, sondern machen Halt an Bahnhöfen. Somit starten wir am Sonntagmorgen unsere Reise in den Süden Irlands. Ziel: Waterford. Die Stadt schaut auf eine lange zurückreichende Wikingergeschichte zurück und ist bekannt für sein Kristall.

Uns erwartet hier eine private Tour des Familiensitzes des Marquess von Waterford, dessen Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Bis zum heutigen Tag lebt die Familie zeitweise in diesem historischen Haus, das uns einen guten Eindruck davon vermittelt, wie das Leben des irischen Adels ausgesehen haben muss. Uns gefällt, dass das Anwesen weit weniger museal anmutet als wir es bei Besichtigungen aus Deutschland kennen.

Das skurrile Highlight der Führung ist das „Shell House“ im weitläufigen Garten des Hauses. Catherine Countess of Tyrone hatte es sich 1754 zur Aufgabe gemacht, das komplette Innere des kleinen Gebäudes mit Muscheln aus aller Welt zu dekorieren. Noch hunderte Jahre später stehen wir staunend über dieses Unterfangen. Zum Finale unserer Führung erwartet uns im Salon des Curraghmore House: ein klassischer High Tea mit Scones und Sandwiches. Zur Überraschung unserer Gruppe taucht auch der amtierende Marquis für ein Händeschütteln auf, während wir beim Tee zusammensitzen. Es sind auch diese kleinen, aber feinen Momente, die Belmond zu einem Anbieter für außergewöhnlichen Luxus machen.

Kulinarisches Verwöhnprogramm

Was uns besonders begeistert hat, war der aufmerksame Service des gesamten Teams an Bord. Wünsche werden erfüllt, seien es Vorlieben beim Essen, Lieblingsdrinks an der Bar oder ein kostenloser Versand von Postkarten und Briefen an Bord. Nach den Ausflügen wartet bereits ein Begrüßungscocktail oder ein Glas Champagner am Gleis, die Abende werden abgerundet mit Drei-Gänge-Menüs und passender Weinbegleitung. Alles, sogar das Gebäck zum Frühstück, wird übriges in der kleinen Küche an Bord zubereitet. So kommen sämtliche Speisen frisch auf den Tisch.

Der kulinarische Genuss beginnt an Bord schon zum Frühstück, wenn à la Carte vom Brunchmenu gewählt werden kann. Eggs Benedict, Pancakes oder Obstsalat, anyone?

An den Abenden, wenn der Zug für die Nacht zum Stillstand gekommen ist, spielen im Panoramawagen wechselnde Musiker, die uns die musikalische Seite Irlands erleben lassen. Dazu gibt es Drinks von der Bar, die mit unterschiedlichen Whiskeys, Gins & Co. ausgestattet jeden Wunsch erfüllt. Alle Getränke – auch die an der Bar – sind übrigens inbegriffen. Rundum Service, rundum Genuss.

Ein Fazit…

Zwei Tage an Bord des Belmond Grand Hibernian sind wenig und viel Zeit zugleich. Als wir aussteigen, haben wir das Gefühl, viel länger als bloß ein Wochenende unterwegs gewesen zu sein. Vielleicht liegt es an den zurückgelegten Reisekilometern, die zusammengekommen sind. Gleichzeitig wären wir gerne noch länger geblieben, hätte mit Blick aus dem Fenster noch etwas Zeit vertrödelt und weiter geschlemmt. Zum Start der Reise wurden wir mit dem Satz: „Sit back, let us take care of everything“, empfangen. Dieses Versprechen hat das Team des Belmond Grand Hibernian definitiv eingelöst.

Wer etwas mehr Zeit hat, kann noch ein paar Tage Irland oder zumindest in der Hauptstadt Dublin dran hängen. Wir sind bereits früher angereist und haben eine Nacht im zentral gelegenen Trinity City Hotel verbracht, abends Temple Bar besucht und einen Abstecher auf den Campus des berühmten Trinity College gemacht.


Diese Reise konnte im Rahmen einer Pressereise stattfinden. Vielen Dank an das gesamte Team für die unvergesslichen Tage! 

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