Jedes Jahr gibt es diesen kurzen Zeitraum, in dem ich nur mit einem Pulli oder einen leichten Jacke bekleidet draußen sein kann. Eigentlich ist das meine Lieblingszeit, die Blätter färben sich bunt, der Herbst klopft an. Und bevor ich mich versehe, ist es wieder vorbei und der Herbst zeigt sich von seiner kälteren und nassen Seite.

So auch dieses Wochenende in Berlin. Auf dem Weg ins Soho House laufen mir die Regentropfen über das Gesicht, der Wind bläst mir unter die Jacke und ich merke, dass ich definitiv zu wenig anhabe. Ich fahre mit dem Aufzug aufs Dach. Sipsmith London hat eingeladen und ich denke mir während der Aufzugfahrt: “Wer macht bei diesen Temperaturen eine Party draußen auf einem Dach?“ Dass das doch eine ziemlich gute Idee ist, wird mir auch durch den Hashtag #HotGinRoof klar. Doch zu erst einmal stelle ich euch den Gastgeber vor.

Sipsmith London: Von der Weinverköstigung zum Master Distiller

Jared Brown, er ist einer der drei Gründer von Sipsmith. Gebürtig kommt er aus einer kleinen
Stadt in den USA, an der Grenze zu Kanada. Er hat die Ausstrahlung von jemandem, der viel
erlebt hat in seinem Leben und viele Geschichten zu erzählen hat. So kam es dann auch, dass er die eine oder andere Anekdote zum Besten gegeben hat. Im zarten Alter von sechs Jahren durfte er schon an Weinverköstigungen teilnehmen und hat in jungen Jahren schon seine
Geschmacksnerven geschult. Auf seiner Visitenkarte steht nun „Master Distiller“. Das House of Commons des britischen Parlaments hat einen eigenen Sipsmith Gin, den Jared selbst kreiert hat. Inspirieren lassen hat er sich von einem alten Rezept eines „Parliament Gins“ aus dem 18. Jahrhundert.

Warm schmeckt alles besser

Im warmen Licht der Gasheizer und des Lagerfeuers präsentiert sich die Terrasse des Soho
House und mir wird schon beim Anblick wieder warm. Wirklich warm wird mir aber bei der
Getränkeauswahl: Sipsmith Negroni, Sipsmith Martini, Sipsmith G&T, Sipsmith Hot Pharmaceutical, Sipsmith Hot Apple V.J.O.P, Sipsmith Hot Mulled Sloe Gin, Sip Smith Hot und Sipsmith Hot Negroni. Ja, heißer Gin, ganz richtig gelesen. Hot, hot, hot. Ich konnte aus offensichtlichen Gründen nicht alle testen aber so kannte ich die Drinks davor auch noch nicht aber sie haben mich sehr überzeugt. Vor allem die Art und Weise, wie man den Drink erhitzen konnte war der Wahnsinn. Mit einem heißen Eisen aus dem Feuer.

Warme Gin-Rezepte zum Nachmixen

Jared hat es vorgeführt: Man fährt mit dem Eisenstab vorsichtig in den Drink, z.B. den Hot Negroni oder Hot G&T, nicht zu schnell, sonst erhitzt er sich schlagartig und man hat nur noch eine leere Tasse in der Hand. Das sieht natürlich beeindruckend aus, aber es war nicht nur Show. Laut Jared war das schon vor hunderten von Jahren die Art und Weise um die Getränke zu erhitzen, früher hat man alles warm getrunken und das war die schnellste Möglichkeit. Durch die Hitze und Kohlerückstände werden etwaige Bakterien im Getränk abgetötet, der Zucker karamellisiert und innerhalb von zwei Sekunden ist der Drink warm und lecker. So war es dann eine angenehme Erfahrung bei diesen Temperaturen auf einem Dach zu sein. Nette Gespräche mit Lagerfeuerstimmung, Decken und wärmenden Gin-Kreationen.

Wer eines der Getränke selbst ausprobieren will, darf folgende Rezepte umsetzen:

Hot Pharmaceutical

    • 50 ml Sipsmith London Dry Gin
    • 20 ml Ahornsyrup
    • 20 ml Kaffeelikör
    • 60 ml frischer Espresso
    • Sahne
    • Kaffeebohnen

Die ersten vier Zutaten in ein Gefäß geben und in einem heißen Wasserbad auf 70°C erhitzen. Anschließend in ein Glas geben, frisch geschlagene Sahne dazugeben und mit den Kaffeebohnen garnieren.

Hot Negroni

      • 25ml Sipsmith London Dry Gin
      • 25ml Campari
      • 25ml Sweet Vermouth Red Berry Tea
      • eine gedörrte oder eine frische Scheibe Orange

Alle Zutaten in eine Tasse geben und verrühren, anschließend den heißen rote Beeren-Tee und die Orangenscheibe dazugeben. Mehr Rezepte gibt es übrigens auf der Sipsmith Webseite.

Barkeeper Pro-Tipp von Jared: Oft wird eine Zitrone ausgepresst, die Schale um den Glasrand geführt und anschließend die Schale ins Glas gegeben. Das sieht alles nett aus aber stört den Geschmack des Cocktails durch die bittere Note der Schale. Besser: Auspressen und wegschmeißen empfiehlt Jared. Zum Schluss teilt der Master Distiller noch einen Funfact mit uns: Wusstet ihr, dass die Navy-Offiziere früher einen Teil ihrer Bezahlung in Gin ausgezahlt bekamen?

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