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Guernsey – Geheimtipp im Ärmelkanal

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Meine ca. 81.453.630 Mitbürger zieht es im Urlaub gerne auf die ein oder andere Insel, sei es jetzt dem deutschen liebsten Reiseziel und quasi das 17. Bundesland „Mallotze„, die balearischen Nachbarinseln, oder auch auf die Kanaren. Was ich allerdings als Inselgruppe noch gar nicht auf dem Schirm hatte, sind die Kanalinseln vor der Küste der Normandie.

Guernsey – Geheimtipp im Ärmelkanal

Guernsey, die zweitgrößte der Kanalinseln, ist weder Teil des Vereinigten Königreiches noch Kronkolonie, sondern als Kronbesitz direkt der britischen Krone unterstellt. Im Jahr 1204 verlor der britische König John die Normandie an Frankreich. Nach einem Treueschwur auf die britische Krone versprach John den Kanalinseln den bis heute geltenden Sonderstatus. Sie sind gesonderte Rechtssubjekte und somit weder Teil des UK noch der EU. Guernsey gilt als eine Steueroase und somit ist es nicht verwunderlich, dass das dortige Finanzwesen den größten Wirtschaftszweig darstellt. Mit einer Arbeitslosenquote von unter 1,2% zählt Guernsey zu einem der Länder bzw. Territorien mit der geringsten Arbeitslosenquote weltweit.

Wenn ich schon bei Zahlen und Fakten bin: Eine weitere besondere Zahl ist der Tidehub zwischen den Gezeiten der auf Guernsey bis zu zehn Metern beträgt und somit zu einem der höchsten weltweit zählt.

Drei weitere Wissenswerte Infos zu Guernsey:

1. Granit, Brücken & Hexen

Zwischen 1787 und 1860 wurden auf Guernsey bis zu 500.000 Tonnen Granit pro Jahr abgebaut und exportiert. Vornehmlich nach England. Man sagte mir, dass selbst die Tower Bridge in London aus dem harten Broken aus Guernsey erbaut wurde. Der blaue Granit ist ca. zehn mal fester als schottischer Granit und somit ein beliebtes und beständiges Baumaterial.

Ein besonderes Detail: Einige der typischen Granithäuser im Westen der Insel haben an ihren Fassaden einen markanten, herausstehenden Stein. Der aus Überzeugung gebaute „Hexensitz“. Zu Zeiten als Hexen die westlichen Gemeinden der Insel heimsuchten, konnte sie sich hier ausruhen, statt auf ihrer Suche nach einem Rastplatz die Häuser im Inneren zu verwüsten.

2. Little Chapel – Die kleinste Kirche der Welt

Guernseys wilde und raue Küste bietet kilometerlange Klippenpfade, die ein Paradies für Wanderer sind. Vielerorts sieht man noch Bunkeranlagen der Deutschen die dort als Zeitzeugen des zweiten Weltkriegs verblieben sind.

Doch auch im Inselinneren warten einige Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise „Little Chapel“, die kleinste Kirche der Welt, auf ihre Besucher. Von aussen macht das kleine Gebäude nicht wirklich den Eindruck als wäre es begehbar, geschweige denn, dass sich das Innere über mehrere Stockwerke erstreckt. Aber wie sagt ein Sprichwort: „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover.“

3. Saint Peter Port – Die Hauptstadt mit Blick auf die Nachbarinseln

Mit rund 18.000 Einwohner ist Saint Peter Port die bevölkerungsreichste Stadt der rund 65.000 Einwohner zählenden Insel. Von hier aus erreichte ich während meines Aufenthalts per Fähre die zugehörige Nachbarinsel „Sark“.

Die knapp halbstündige Überfahrt führt mich vorbei an der privat verpachteten Insel „Jethou“, auf welcher sich nicht nur der Computermillionär Sir Peter Odgen niedergelassen hat. Wer hier aufmerksam die Wasseroberfläche oder auch die felsige Küste beobachtet, kann wie ich mit etwas Glück die dort lebenden Papageientaucher entdecken.

Eine Insel weiter wird es etwas pompöser. Die „Barclay Brothers“, die mit einem Vermögen von über sieben Milliarden Pfund das nötige Kleingeld für den ein oder anderen Spaß haben, leisteten sich auf „Brecqhou“ den Bau des jüngsten Schlosses Europas. Nur blöd, dass bei den zwei Jungs wohl seit einiger Zeit der Haussegen schief hängt.

Insel Sark – Einst ein kleines Piraten Nest

Christopher Beaumont, der 23te Seigneur von Sark ist das Inselopberhaupt der viertgrößten Kanalinsel. Der Status wird jeweils an den ältesten Sohn der Familie vererbt. Einst kaperte sein Urahne als Pirat vor den Küsten der Normandie französische Handelsschiffe unter dem Segen der britischen Krone. Jedoch wurde dies nur in Kriegszeiten geduldet. In Friedenszeiten diente die Insel den Freibeutern als Unterschlupf.

Als Besitz der englischen Krone, nächtigte in den Mauern der „la Seigneurie“ bereits Prinz Charles. Der amtierenden Seigneur schlief bereits im selben Bett, jedoch nicht zeitgleich. Erzählte dieser mir während meines Besuches in seinem Anwesen zwinkernd. Den britischer Humor scheinen die Insulaner sich wohl bewahrt zu haben.

Die autofreie Insel erkundet man zu Fuß oder per Fahrrad. Zu den wenigen motorisierten Gefährten zählen lediglich einige Traktoren. Die Insel Sark ist ein perfektes Tagesausflugsziel während eines Aufenthaltes in Guernsey. Wer sich etwas mehr Zeit für Sark nehmen möchte, dem stehen insgesamt 7 Hotels zu Auswahl . 5 hiervon gehören (oh Wunder) den Barclay Brüdern, die vor den ersten demokratischen Wahlen im Jahre 2008 einen großen Teil auf der Insel erworben haben, in der Hoffnung ihren Einfluss um ihren Wohnort zu erweitern. Die Inselbewohner selbst waren jedoch nicht käuflich und so ging die Barclay Rechnung ihren Einfluss durch Erwerb dortiger Güter Nachdruck zu verleihen, nicht ganz auf.

Sehenswürdigkeiten sind das kleinste sich in Betrieb befindende Gefängnis der Welt, so wie „La Coupée“ zwischen Sark und Little Sark, als beliebtestes Fotomotive der Insel.

Mediterranes Klima dank dem Golfstrom

In Guernsey, wie auch auf den dazugehörigen Nachbarinseln, herrscht dank des Golfstromes ein sehr mildes Klima und so sind die blumenreichen Inseln ganzjährig frostfrei. Die Temperaturen klettern auch im Sommer selten über 27°C. Die gute Wirtschaftslage und die beschauliche Größe machen sich auch in der Gastronomie positiv bemerkbar. Allerorts kann man hervorragend essen, denn bei der dortigen kulinarischen Konkurrenz kann man sich einen Ausrutscher in der Küche nicht leisten.

Für mich ist diese nicht allzu weit entfernte Insel ein wirklicher Geheimtip den es sich lohnt zu entdecken, wenn nicht sogar eines Tages ein möglicher Ruhesitz fürs Alter.

Bonus: Steckdosen Travelhack

Da jede Reise einen Lerneffekt hat, hier noch ein kleiner Travelhack für euch. Auf den Kanalinseln sind die 3 poligen UK Steckdose verbaut. Solltet ihr mal keinen Adapter zu Hand haben dann lässt sich bspw. mit einem Bleistift aushelfen. Nach dem ihre die Steckdose ausgeschaltet habt, im oberen senkrechten Schlitz den Schutzkontaktschalter nach unter drücken und schon lassen sich unser EU Stecker benutzen. Viel Spaß auf der Reise!

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Thies
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