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Derzbachhof – vom ältesten Bauernhof Münchens zu individuellen Wohnungen

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Er wohnt in einem Bunker aus NS Zeiten. Wenn er über seine Projekte spricht, verbreitet sich seine Euphorie wie ein Miniatur-Wirbelsturm, der um uns alle herum tänzelt. Seine Augen strahlen selbstsicher, auch wenn er meint, er habe „sowas“ ja noch nie zuvor gemacht. „Sowas“ ist das Erzählen, Erklären und ja, das Schwärmen von seiner Arbeit vor verschiedenen Pressevertretern bzw. vor Influencern (auch wenn ich dieses Wort schon lange nicht mehr mag). Um die zehn Gesichter blicken ihn erwartungsvoll an, als wir im Halbkreis in der Dezemberkälte vor dem Derzbachhof im Münchner Stadtteil Forstenried stehen.

 

 

Stefan F. Höglmaier erzählt von seinen bereits 20 Jahren „EUROBODEN“. Er erzählt davon, wie seine Liebe zur Architektur wuchs, wie er eigentlich ja „nichts gelernt“ hat und heute ein erfolgreiches Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern führt. Der (immer noch) junge Unternehmer erzählt von seinem neuen Herzensprojekt dem Derzbachhof und ich fühle mich ein bisschen wie sein Hund, der ihm ungeduldig um die Beine streift. Unter Stefans Stimme mischt sich ein vertrautes Knarren. Die Holztür zum Derzbachhof, durch die seit 1751 Bewohner und Gäste in die „warme Stube“ eintreten, öffnet sich schwerfällig. Endlich, ich will mehr sehen!

 

Eine kleine Zeitreise auf Münchens ältestem Bauernhof

 

Seit Jahrzehnten verfällt Münchens ältester Bauernhof ein städtisches Baudenkmal ersten Ranges. Um ihn zu retten und wie einst als Wohnhaus nutzbar zu machen, saniert Euroboden, in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege nach einem Konzept von Architekt Peter Haimerl und dem Entwurf von raumstation Architekten, das alte Bauernhaus in seiner äußeren und inneren Bausubstanz.

 

In Stall und Stadel werden unter weitgehender Erhaltung der historischen Bausubstanz 3-4 Maisonette Wohnungen integriert. Vorstellen lässt sich das Ganze beim vorsichtigen Erkunden des Hofes im Moment nur schwer und trotzdem staunen wir immer wieder aufs Neue über die alten Details, längst vergessene Ecken des Hofes und darüber, wie der Boden unter unseren Füßen verächtlich knarrt. Die Morgensonne bahnt sich ihren Weg in die dunkelsten, von Spinnweben bedeckten Winkel als wir durch die große Scheunentür in den Außenbereich des Derzbachhofes gelangen.

Der Derzbachhof – Nicht zu städtisch aber auch nicht zu ländlich

 

Im Fokus des Wohnkonzepts steht der Gemeinschaftsgedanke, es werden insgesamt 20 Wohneinheiten entstehen, die u.a. mit Außenflächen samt Hühner- und Hasenstall, Grillplatz und Beete für alle Bewohner, überzeugen wollen. So viel Gemeinschaftssinn ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber Euroboden richtet sich ja auch an Menschen, die außergewöhnlichen Wohnraum suchen – und die damit meist selbst „etwas außergewöhnlich sind“ und daher meist von ganz allein sehr gut zum Vorhaben passen. Erfahren wir von einem zufrieden grinsenden Stefan.

 

Eine zeitweise Nutzung der Hoffläche für die Dorfgemeinschaft könnte Raum für gemeinsame Aktivitäten bieten. Um den Hofvorplatz des Einzeldenkmals inmitten des historischen Dorfkernes von Forstenried zu erhalten, wird der Neubau mit 17 Wohneinheiten in den hinteren Grundstücksbereich zurückgesetzt. Das „Dorf in der Stadt“ liegt übrigens nur 15 U-Bahn-Minuten von der Münchner Innenstadt entfernt.

„Unser inhaltlicher Antrieb ist es, über Architektur auch einen Mehrwert für den Ort zu schaffen – Immobilien, die langfristig geschätzt und genutzt werden, die dem Ort etwas zurückgeben.“

– Euroboden

Ich merke immer wieder, dass es hier um behutsames Bauen geht. So wird zum Beispiel die Krone der alten Esche des Nachbargrundstücks in die Planung einbezogen und bleibt selbstverständlich erhalten. Oft wird durch Verzicht (z.B. keine Zäune) ein Mehrwert für mehrere Parteien geschaffen. Minimalismus, effektiv genutzte Gemeinschaftsflächen und das Community-Konzept welches in anderen Ländern längst etabliert ist und geliebt wird, kommt in diesem Projekt zu Tage.

 

Auch Räumlichkeiten die temporär extern vermietet werden können wie ein Co-Working-Space, ein Gästezimmer oder einen Gemeinschaftsraum soll es geben.

 

Der historische Wohnbereich des Bauernhauses ist als Gemeinschaftsfläche für die Bewohner vorgesehen. Hier in der „Stube“ finden wir uns heute zum Brunch ein und erfahren bei Käseplatte, Rührei und Ingwertee mehr zum Projekt „Derzbachhof“.

 

Es ist nicht das Gewöhnliche und das Einfache, das uns fasziniert. Es ist das Altbewährte, das mit dem Neuen vermischt wird. Es ist die Herausforderung, die Leidenschaft und das Individuelle. Es ist das Verspielte, das Geheimnisvolle und das Geschichtsträchtige, das uns beinahe verzaubert.

 

Fast vier Jahre liegt unsere Entscheidung für Wohneigentum jetzt zurück. Der Weg zur richtigen, zu „unserer“ Wohnung (die sich heute auch so anfühlt) war steinig, oft nervtötend und spannend – doch bereut haben wir diesen Schritt bisher kein einziges Mal. Im Gegenteil: Das Suchen, das Orientieren, vielleicht sogar ein gemeinsamer Prozess des Bauens bedeutet so unglaublich viel, dass es schon fast einen Teil der eigenen Individualität ausmacht.

 

Gerade für uns, da wir viel unterwegs sind, ist uns unser Zuhause, als Ort des Ankommens und der Ruhe ganz besonders wichtig. Hier müssen wir uns nicht neu erfinden, hier haben wir uns schon gefunden. Hier dürfen wir ab und zu sogar verloren gehen und die Welt sich hinter den vielen Fensterscheiben alleine weiterdrehen lassen.

 

Die folgenden drei Bilder © Darcstudio for Euroboden

 

 

… und wer weiß, vielleicht könnte meine hier erzählte Geschichte ja sogar ein Teil eurer eigenen Geschichte werden? Mehr zum Projekt „Derzbachhof“ findet ihr hier.

Mia
Mia

Mia Bühler ist ein echter Workaholic, könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Stuttgarterin aber mit den Füßen im Sand, dem Rücken an einer Palme und mit den Augen auf den Weiten des Ozeans – das iPad in Reichweite. Als Social Media Beraterin mit ihrer Agentur "creading" und Bloggerin in diversen Bereichen, ist die junge Mama immerzu unterwegs – kulinarisch bleibt sie sich gern auch mal treu und liebt handgeschabte Spätzle mit Soß’ aus Papas Küche.

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