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Wildes Wunder Soča – Campen direkt am Fluss

Wir überlegen nicht lang, wohin uns der nächste Roadtrip führen sollte. Es sollte unser zweites Mal sein. Dieses Mal mit mehr Zeit. Mehr Zeit für SLOWenien. Mehr Zeit für das wunderschöne Soča-Tal. Bereits vor zwei Jahren fuhren wir nichts ahnend an diesem sagenhaften und in leuchtendem Türkis strahlenden Fluss vorbei. Wir befanden und auf dem Weg nach Kroatien. Ohne Reisemobil und mit Baby an Bord. Wir hatten also keine Möglichkeit hier spontan zu stoppen und einfach zu bleiben. Doch aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Daher ergreifen wir jetzt die Chance um mehr Zeit in genau diesem Tal zu verbringen.

„Denn manchmal ist es mit Orten wie mit Menschen. Man hat das Gefühl, sich nicht zum richtigen Zeitpunkt begegnet zu sein – kann sie aber auf gar keinen Fall wieder vergessen.“

Hoffnungslos verliebt geben wir diesen Herbst also unserer Sehnsucht nach, melden unseren zwischenzeitlich fast dreijährigen Sohn für die nächsten zwei Wochen von der Kita ab und fahren los. Dieses Mal wissen wir es besser. Wir wissen, dass wir anhalten wollen, wo es uns am besten gefällt. Wir wissen, dass wir uns nicht viel vornehmen wollen. Wir wissen, wo wir die schönsten Spots im Soča-Tal finden und wir wissen auch längst, dass mit Kleinkind immer der Weg das Ziel sein sollte.

Mit diesen Erfahrungen im Gepäck entscheiden wir uns nicht nur dafür, den Roadtrip im Reisemobil zu unternehmen, sondern auch dafür, ihn im Herbst zu starten. Dann, wenn die Sommerferien vorbei sind, sich die Campingplätze leeren, wir für ein Foto auf der Hängebrücke nicht Schlage stehen müssen und die Soča leer genug ist, um unsere Gedanken in diesem wilden und wunderschönen Gewässer zu verlieren.

Im Reisemobil durch das Berchtesgadener Land

Ganz nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“ haben wir dieses Mal auch keinen festen Ablauf vorgenommen und parken auf halber Strecke in der Abenddämmerung auf einem Waldparkplatz in Ramsau. Nach vier Stunden auf den Straßen haben wir den Drang uns zu bewegen, packen Rucksack, Kinderwagen und eine warme Decke und machen uns auf den Weg zur Hängebrücke Ramsau. Wir wandern in der Dämmerung durch den Berchtesgadener Nationalpark und kommen an der Brücke an, bevor die Sonne hinter den Berggipfeln verschwindet und wir mit der Laterne in der Hand singend zum warmen Reisemobil zurück spazieren.

Am Waldrand wartet der Hymer ML-T 580 auf uns. Thies, der eine umfangreiche Einführung in unser „Hymermotorhome“ bekommen hat, erklärt mir kurz, wie ich den Wohn- und Schlafraum auf angenehme 22 Grad heizen kann und dass die Stromversorgung automatisch auf Gas switcht, wenn wir irgendwo in der „Pampa“ Stopp machen. Mit ausreichend Frischluft versorgt, schlafen wir in unserer höher gelegten Schlafkoje ein, um bei Sonnenaufgang mit einem heißen Kaffee ins nächste Outdoor Abenteuer zu starten.

Das angepeilte erste Boot auf dem Königssee erreichen wir zwar doch nicht (war ja klar), aber dafür das zweite Boot. Als unsere Familie auf dem Parkplatz vor der Bootsanlegestelle eintrudelt, kann ich mir nur schwer vorstellen, in welchem Getümmel aus Wanderern, Touristik-Bussen, Reisemobilen und Autos wir unseren Hymer wenige Stunden später wieder vorfinden werden. Daher auch von mir noch mal der Tipp: Unbedingt eins der ersten Boote nehmen, wenn ihr die paradiesische Gegend rund um den Königssee vor den Völkerwanderungen genießen möchtet.

Unsere Bootstour dauert ca. eine Stunde bis zur Endstation „Salet “ beim Obersee. Die Gegend hier oben ist übrigens nur über den Königssee zu erreichen – der See wurde einst durch einen Felsschlag in den Königssee und den viel kleineren Obersee getrennt. Als wir fast geräuschlos über den See gleiten verschlägt es mir beim Blick aus den Fenstern immer wieder aufs Neue den Atem: Der Nebel steht noch dicht über der Wasseroberfläche, das Wasser ist glasklar und die Sonne wirft erste Strahlen in den Nebel und verzaubert alles zu einem fast märchenhaften Anblick. Als wir das Boot verlassen steht der Vollmond noch über den Bergen. Fast wie ein Gemälde, das wir unbedingt fotografieren müssen.

Campen direkt am Fluss: Angekommen im Soča-Tal

Es ist längst dunkel als wir an der Schranke unseres Campingplatzes, dem Kamp Soča, ankommen. Die letzten dreißig Kilometer hier waren abenteuerlich. Ich sitze neben Neon auf der Rückbank, während Thies selbstbewusst den Mercedes-Benz Sprinter durch enge Schluchten steuert und an einer besonders engen Stelle den Rückwärtsgang einlegt um einen entgegenkommenden Reisebus passieren zu lassen. Um und herum dann nicht mehr, nur Wälder, Felsen und Dunkelheit. Wir haben uns bewusst für einen Campingplatz weit weg von allem – aber ganz nah an der Soča entschieden. Als Thies abrupt abbremst sind auch Neon und ich wieder hellwach. Hier muss es sein, hier geht’s zum Campingplatz. Ein kurzes Geholper später sehen wir schon vereinzelte Flammen aufflackern. Die wenigen Camper haben es sich zu dieser späten Stunde längst vor ihren Motorhomes samt Lagerfeuer bequem gemacht.

Auch wir holen uns für kleines Geld noch mehr Brennholz und lassen den kühlen Abend gemütlich draußen ausklingen.

Wo wir hier eigentlich sind, sehen und hören wir am nächsten Morgen. Als ich die Fenster öffne durchflutet nicht nur Frischluft unseren Hymer, sondern auch das Rauschen des Flusses. Wir stehen direkt oberhalb der Soča und können es jetzt kaum erwarten unsere Entdeckungen am Wasser zu starten!

Drei Must-Dos im Soča-Tal

1 Velika Korita
Unser Campingplatz nahe Bovec ist die perfekte Ausgangslage für verschiedene Abenteuer im, am und rund um die Soča. Überqueren wir über eine kleine Hängebrücke den Fluss, stehen wir direkt vor der Informationstafel zur Velika Korita, der großen Soča-Tröge. Die lange Schlucht ist mit ihren hellen Felsen, der üppigen Vegetation und dem leuchtenden Wasser ein wunderschönes Naturschauspiel. Wer sich ins eiskalte Wasser traut, kann hier vor der Tröge auch super baden!

2 Slap Kozjak – eine Wanderung mit Wasserfall als Happy End
Erleichtert bin ich, dass Neon dieses Mal schon einen Großteil der Strecke zum wunderschönen „Cave“-Wasserfall Kozjak auf eigenen, kleinen Beinen bewältigen kann. Wir waren hier bereits letztes Jahr, weil die Wanderung zum Wasserfall der zwischen dunklem Gestein in einer Höhle am Ende des Weges wartet, einfach super viel Spaß macht. Die Wanderung ist nicht kinderwagentauglich ist dafür aber nicht lang und dank der Hängebrücke auf halber Strecke, kleinen Höhlen und spannenden Blumen und Abhängen links und rechts des Weges sehr kurzweilig!

Nicht vergessen: Seit kurzem wird kurz vor dem Ziel eine Art „Eintrittsgebühr“ verlangt. Jetzt ohne das nötige Kleingeld da stehen, wäre ziemlich ärgerlich. Der Eintritt kostet in etwa vier Euro p.P.

3 SLOWenien – Einfach nur genießen
Langsam Reisen – gibt’s das überhaupt? Wenn ich ehrlich bin, klappern wir auf den meisten unserer Reisen einen eng getakteten Schedule ab und rennen von einem Fotospot zum Nächsten. Mit der Flexibilität eines Reisemobils ist das zum Glück ganz entspannt und entschleunigt möglich ohne unseren Job zu vernachlässigen. Überall können wir für einige Stunden einfach mal parken, einen Tee kochen und bei Regen einfach mal ein paar Gedanken im „mobilen Office“ tippen während Neon in der Schlafkoje zufrieden schlummert. Danach spielen wir auf dem Spielplatz vor dem Reisemobil bis in die Dämmerung während Thies das Lagerfeuer für den Abend vorbereitet.

Während ich mit einem Glas Wein in der Hand am Gasherd stehe und durch das Fenster meine Jungs dick eingekuschelt am Feuer sitzen sehe, umarmt mich eine unbekannte Zufriedenheit, die mir einfach sagt, dass dieser Moment hier genau das richtige Must-Do oder besser gesagt: Das genau richtige Must-Feel ist!

Mia
Mia

Mia Bühler ist ein echter Workaholic, könnte sie es sich aussuchen, träfe man die Stuttgarterin aber mit den Füßen im Sand, dem Rücken an einer Palme und mit den Augen auf den Weiten des Ozeans – das iPad in Reichweite. Als Social Media Beraterin mit ihrer Agentur "creading" und Bloggerin in diversen Bereichen, ist die junge Mama immerzu unterwegs – kulinarisch bleibt sie sich gern auch mal treu und liebt handgeschabte Spätzle mit Soß’ aus Papas Küche.

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